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Medizinstudium in Österreich

Ratgeber zum Medizinstudium
Medizinstudium in Österreich
Bild: KI generiert

Warum Österreich? Ein Überblick

Gleiche Sprache, ähnliches Studiensystem und trotzdem ein echtes Auslandsstudium: Österreich ist für deutsche Abiturienten seit Jahren eine der beliebtesten Adressen, wenn es um ein Medizinstudium im Ausland geht. Die Nähe zu Deutschland, die hohe Lebensqualität und die erstklassige medizinische Ausbildung machen das Nachbarland besonders attraktiv.

Der entscheidende Unterschied zu Deutschland: In Österreich gibt es keinen Numerus Clausus. Stattdessen entscheidet ein einziger Aufnahmetest über den Studienplatz. Dein Abiturschnitt spielt dabei keine Rolle. Das bedeutet: Wer sich gut vorbereitet und den MedAT besteht, studiert Medizin. Punkt.

Vier staatliche Medizinuniversitäten stehen dir zur Auswahl: Wien, Graz, Innsbruck und Linz. Alle bieten eine vollständig deutschsprachige Ausbildung nach hohen europäischen Standards. Mehr dazu findest du auch in unserem Ratgeber zur Zulassung im Ausland.

Zulassung und MedAT: Der Aufnahmetest

Der MedAT (Medizinischer Aufnahmetest) ist die einzige Hürde auf dem Weg zum Medizinstudium in Österreich. Der Test findet einmal jährlich statt und kann nicht wiederholt werden, es sei denn, du wartest ein ganzes Jahr.

Termine für den MedAT 2026

Schritt Zeitraum
Online-Anmeldung 2. bis 31. März 2026
Teilnahmegebühr überweisen Bis 31. März 2026 (Eingang auf dem Uni-Konto)
Testtag 3. Juli 2026 (Freitag)
Ergebnisse Anfang August 2026 (ca. KW 32)
Studienbeginn Oktober 2026

Aufbau des MedAT-H (Humanmedizin)

Der Test dauert insgesamt rund 5 bis 6 Stunden (inklusive 60 Minuten Pause) und besteht aus vier Teilen:

  • BMS (Basiskenntnistest Medizinische Studien): 40 % Gewichtung, 75 Minuten. Fragen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik.
  • Textverständnis: 10 % Gewichtung, 35 Minuten.
  • Kognitive Fähigkeiten: 40 % Gewichtung, 80 Minuten. Figuren zusammensetzen, Gedächtnis, Zahlenfolgen und Wortflüssigkeit.
  • Sozial-emotionale Kompetenzen: 10 % Gewichtung, 60 Minuten.

Tipp: Die Teilnahmegebühr beträgt 110 Euro. Melde dich so früh wie möglich an, denn eine Verlängerung der Frist gibt es nicht. Die Anmeldung läuft ausschließlich online über die Website der jeweiligen Medizinuniversität.

Quotenregelung

Für Humanmedizin gilt eine feste Quotenregelung: 75 % der Plätze gehen an österreichische Bewerber (mit österreichischer Matura), 20 % an EU-Bürger und 5 % an Nicht-EU-Bewerber. Für Zahnmedizin gibt es keine Quotenbeschränkung.

Ein Medizinstudent berichtet über seine Erfahrungen an der Medizinischen Universität Wien.

Studiengebühren und Kosten

An den öffentlichen Medizinuniversitäten ist das Studium für EU-Bürger im Grunde kostenlos. Du zahlst lediglich den ÖH-Beitrag (Österreichische Hochschülerschaft) von rund 25 Euro pro Semester. Erst wenn du die Regelstudienzeit plus zwei Toleranzsemester überschreitest, werden Studiengebühren fällig.

Kostenart EU-Bürger Nicht-EU-Bürger
ÖH-Beitrag pro Semester ca. 25 Euro ca. 25 Euro
Studiengebühren in Regelzeit 0 Euro 726,72 Euro/Semester
Studiengebühren nach Toleranzsemestern 363,36 Euro/Semester 726,72 Euro/Semester
MedAT-Teilnahmegebühr 110 Euro (einmalig) 110 Euro (einmalig)

Private Medizinuniversitäten in Österreich sind deutlich teurer. An der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems etwa zahlst du 10.500 Euro pro Semester, an der Sigmund Freud Universität Wien 13.250 Euro pro Semester. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg verlangt rund 21.500 Euro pro Jahr. Einen detaillierten Kostenvergleich findest du in unserem Ratgeber zu den Kosten des Medizinstudiums im Ausland.

Studienablauf und Sprache

Das Medizinstudium in Österreich dauert in der Regelstudienzeit 12 Semester (6 Jahre) und ist komplett auf Deutsch. Es gliedert sich grob in drei Abschnitte:

  • Vorklinischer Abschnitt (ca. Jahr 1 bis 2): Grundlagen in Anatomie, Physiologie, Biochemie und Histologie. Der Unterricht ist straff organisiert mit regelmäßigen Prüfungen.
  • Klinischer Abschnitt (ca. Jahr 3 bis 5): Klinische Fächer wie Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie. Zunehmend Patientenkontakt und Praktika in Kliniken.
  • Klinisch-praktisches Jahr (Jahr 6): 48 Wochen praktische Ausbildung in verschiedenen Fachabteilungen.

Ein wichtiger Unterschied zu Deutschland: In Österreich gibt es kein Physikum als zentrale Zwischenprüfung. Stattdessen gibt es studienbegleitende Prüfungen am Ende jedes Semesters. Die Durchfallquoten im ersten Jahr sind hoch. Erfahrungsgemäß bestehen 20 bis 30 % der Studienanfänger die Prüfungen im ersten Jahr nicht.

Gut zu wissen: Die Atmosphäre an den österreichischen Medizinunis wird von vielen Studierenden als familiär beschrieben. Die Betreuung durch Professoren ist enger als an manchen deutschen Massenuniversitäten, und in den Kliniken werden Studierende aktiv eingebunden.

Erfahrungsbericht über das Medizinstudium an der Medizinischen Universität Innsbruck mit Vergleich zu Deutschland.

Studienplätze nach Universität

Für das Studienjahr 2026/27 stehen insgesamt rund 1.950 Studienplätze zur Verfügung:

Universität Humanmedizin Zahnmedizin Gesamt
MedUni Wien 672 80 752
MedUni Innsbruck 380 40 420
MedUni Graz 336 24 360
JKU Linz 380 40 420

Davon stehen EU-Bürgern (ohne österreichische Matura) rund 20 % der Humanmedizin-Plätze zur Verfügung. In Wien sind das also etwa 134 Plätze für deutsche Bewerber und andere EU-Bürger.

Lebenshaltungskosten in Österreich

Die Lebenshaltungskosten in Österreich sind mit Deutschland vergleichbar, variieren aber stark nach Stadt. Wien ist am teuersten, Graz und Linz deutlich günstiger.

Ausgabe Wien Graz / Linz Innsbruck
WG-Zimmer (Miete) 400 - 600 Euro 300 - 450 Euro 400 - 550 Euro
Lebensmittel 250 - 350 Euro 200 - 300 Euro 250 - 350 Euro
Transport (Semesterticket) 75 Euro (Semesterticket) / 365 Euro (Jahresticket) 30 - 50 Euro 30 - 50 Euro
Krankenversicherung 60 - 100 Euro 60 - 100 Euro 60 - 100 Euro
Freizeit, Internet, Sonstiges 150 - 250 Euro 100 - 200 Euro 120 - 220 Euro
Gesamt pro Monat 1.000 - 1.400 Euro 750 - 1.100 Euro 900 - 1.300 Euro

Spartipp: In Wien gibt es das Klimaticket Ö, mit dem du für 1.095 Euro im Jahr alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Österreich nutzen kannst. Für Wien allein gibt es die Jahreskarte um 365 Euro.

Anerkennung in Deutschland

Da Österreich EU-Mitglied ist, greift die EU-Richtlinie 2005/36/EG zur gegenseitigen Anerkennung von Berufsqualifikationen. Das bedeutet: Wenn du dein komplettes Medizinstudium in Österreich abschließt und dort die Approbation erhältst, kannst du diese in Deutschland anerkennen lassen. Der Prozess ist in der Regel unkompliziert.

Komplizierter wird es, wenn du nach einigen Semestern nach Deutschland wechseln willst. Weil es in Österreich kein dem deutschen Physikum vergleichbares Examen gibt, ist ein Wechsel an eine deutsche Universität nach dem vorklinischen Abschnitt fast unmöglich. Die Anerkennung einzelner Scheine liegt im Ermessen der Landesprüfungsämter und fällt oft negativ aus.

Wichtig: Plane dein Studium in Österreich am besten so, dass du es dort auch beenden kannst. Wer von Anfang an einen Wechsel nach Deutschland plant, sollte sich vorher beim zuständigen Landesprüfungsamt über die Anerkennungspraxis informieren. Alternativ ist ein Auslandssemester über Erasmus+ die sicherere Variante, da hier die Anerkennung vorab geregelt wird.

Weitere Infos zur Anerkennung findest du auch in unseren Artikeln zu Ungarn und Italien, wo die Situation ähnlich gelagert ist.

Häufige Fragen zum Medizinstudium in Österreich

Brauche ich eine bestimmte Abiturnote für den MedAT?

Nein. Deine Abiturnote ist für die Zulassung in Österreich völlig irrelevant. Es zählt ausschließlich dein Ergebnis im MedAT. Auch mit einem Abischnitt von 3,0 kannst du einen Studienplatz bekommen, wenn du den Test gut genug bestehst. Allerdings brauchst du natürlich die allgemeine Hochschulreife als formale Voraussetzung.

Wie stehen die Chancen für deutsche Bewerber?

Durch die 20 %-Quote für EU-Bürger ist die Konkurrenz unter deutschen Bewerbern hoch. Typischerweise bewerben sich mehrere Tausend EU-Bürger auf die rund 390 verfügbaren Plätze. Eine gründliche Vorbereitung auf den MedAT, idealerweise über mehrere Monate, ist deshalb sehr wichtig. Vorbereitungskurse und spezielle Übungsbücher können die Chancen deutlich verbessern.

Kann ich das Studium in Österreich beginnen und in Deutschland fortsetzen?

Theoretisch ja, praktisch ist es sehr schwierig. Da Österreich kein dem deutschen Physikum vergleichbares Examen hat, erkennen die meisten Landesprüfungsämter die vorklinischen Leistungen nicht an. Wer in Österreich anfängt, sollte planen, dort auch zu Ende zu studieren. Der Abschluss selbst wird in Deutschland aber problemlos anerkannt.

Ist eine Famulatur in Österreich empfehlenswert?

Ja, eine Famulatur in Österreich ist einfach zu organisieren und lohnt sich. Die Atmosphäre in den Kliniken wird als kollegial und lehrreich beschrieben. Je nach Fortschritt im Studium und Eigeninitiative wirst du aktiv in die Arbeit der Ärzte eingebunden. Für Auslandsfamulaturen bietet sich das dritte Studiumsabschnitt an, in dem du besonders von der praxisorientierten Ausbildung profitierst.

Wo finde ich Unterstützung bei der Bewerbung?

Die Bewerbung zum MedAT läuft direkt über die Websites der vier Medizinuniversitäten. Zusätzlich gibt es zahlreiche Vorbereitungskurse und Communities. Wenn du eine persönliche Beratung zu deinen Optionen wünschst, schau dir auch unsere Beratungsseite an.

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