Warum Rumänien? Ein Überblick
Rumänien hat sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zu einem der gefragtesten Studienländer für angehende Mediziner aus Deutschland entwickelt. Der Grund: Du kannst hier ohne NC auf Englisch oder Französisch Medizin studieren, die Studiengebühren sind moderat, die Lebenshaltungskosten niedrig und der Abschluss wird EU-weit anerkannt.
Das Land zwischen Karpaten und Schwarzem Meer bietet mehr als nur günstige Studienplätze. Städte wie Cluj-Napoca (Klausenburg), Iasi, Timisoara und Bukarest haben eine lebendige Studentenszene, historische Altstädte und eine zunehmend moderne Infrastruktur. Cluj-Napoca wird nicht umsonst als "Klein-Wien" bezeichnet.
Fünf medizinische Universitäten bieten Studiengänge in Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie auf Englisch und teilweise Französisch an. Die Ausbildung ist praxisorientiert: Schon ab dem dritten Studienjahr hast du regelmäßigen Patientenkontakt. Weitere Optionen für ein Medizinstudium ohne NC findest du auch in unseren Artikeln zu Ungarn und Kroatien.
Zulassung und Aufnahmeverfahren
Die Zulassungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium in Rumänien sind für deutsche Bewerber gut machbar, aber du solltest den Bewerbungsprozess ernst nehmen.
Grundlegende Voraussetzungen
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur)
- Gute bis mittlere Noten in Biologie und Chemie (kein fester NC, aber die Noten werden berücksichtigt)
- Sprachzertifikat: Englisch (TOEFL oder gleichwertig) oder Französisch, je nach gewähltem Programm
- Motivationsschreiben (oft der wichtigste Bestandteil der Bewerbung)
Aufnahmeverfahren
Das Bewerbungsverfahren unterscheidet sich von Universität zu Universität. Einige setzen auf ein reines Dossier-Verfahren (Bewerbungsunterlagen + Motivationsschreiben), andere führen zusätzlich Eignungstests durch. An manchen Universitäten gibt es ein mündliches Gespräch, um deine Sprachkenntnisse zu prüfen.
Da die Universitäten ihre Zulassungsverfahren selbst gestalten, solltest du die aktuellen Anforderungen immer direkt auf der Website der jeweiligen Uni prüfen.
Bewerbungsunterlagen (Checkliste)
- Beglaubigte und übersetzte Kopie des Abiturzeugnisses (Englisch oder Rumänisch)
- Beglaubigte Geburtsurkunde
- Sprachzertifikat (TOEFL, IELTS oder vergleichbar)
- Motivationsschreiben (auf Englisch)
- Ärztliches Gesundheitszeugnis
- Passfoto und Reisepasskopie
- Ggf. weitere Formulare der jeweiligen Universität
Tipp: Übersetzungen und Beglaubigungen sind in Rumänien vor Ort deutlich günstiger als in Deutschland. Wenn du die Möglichkeit hast, dich persönlich zu bewerben, kannst du dabei Geld sparen und offene Fragen direkt klären. Alternativ unterstützen spezialisierte Agenturen den Bewerbungsprozess gegen eine Gebühr.
Bewerbungsfristen
Der Studienbeginn liegt in der Regel im Oktober. Die Bewerbungsfristen enden je nach Universität zwischen Juni und September. Prüfe die aktuellen Fristen auf den Websites der Unis, da sie sich von Jahr zu Jahr ändern können.
Studiengebühren
Die Studiengebühren in Rumänien liegen im europäischen Mittelfeld und deutlich unter denen in Ungarn oder Kroatien.
| Universität | Stadt | Gebühren pro Jahr (ca.) | Sprache |
|---|---|---|---|
| Iuliu Hatieganu | Cluj-Napoca | 7.500 - 8.000 Euro | Englisch, Französisch |
| Victor Babes | Timisoara | ca. 8.000 Euro | Englisch, Französisch |
| George Emil Palade | Targu Mures | ca. 8.000 Euro | Englisch |
| Grigore T. Popa | Iasi | ca. 5.000 - 6.000 Euro | Englisch, Französisch |
| Carol Davila | Bukarest | ca. 6.000 - 7.500 Euro | Englisch, Französisch |
Für das gesamte sechsjährige Studium kommst du je nach Universität auf Gesamtkosten von 30.000 bis 48.000 Euro an Studiengebühren. Private Hochschulen können teurer sein. Im Vergleich zu Ungarn (90.000 - 105.000 Euro) oder Kroatien (60.000 - 72.000 Euro) ist Rumänien damit eine der günstigsten Optionen in der EU.
Auslands-BAföG kann beantragt werden und hilft, einen Teil der Kosten zu decken. Einen detaillierten Vergleich findest du in unserem Kostenratgeber.
Studienablauf und Sprache
Das Medizinstudium in Rumänien dauert 6 Jahre und beginnt in der Regel im Oktober. Die Struktur ist klar gegliedert:
- Vorklinik (Jahr 1 und 2): Grundlagenfächer wie Anatomie, Physiologie, Zellbiologie, Biophysik, Bioethik und Informatik. Es gibt keine separate Zwischenprüfung wie das Physikum in Deutschland.
- Klinik (Jahr 3 bis 6): Praxisorientierter Unterricht in kleinen Gruppen von etwa 15 Studierenden, oft direkt im Krankenhaus. Ab dem dritten Jahr regelmäßiger Patientenkontakt.
Die Unterrichtssprache ist Englisch oder Französisch, je nach gewähltem Programm. Zusätzlich steht Rumänisch auf dem Stundenplan, denn für den Patientenkontakt in den klinischen Semestern brauchst du Grundkenntnisse der Landessprache. Rumänisch ist übrigens eine romanische Sprache und dem Italienischen recht ähnlich. Wer Französisch oder Italienisch spricht, hat einen Vorteil beim Lernen.
Achtung: An rumänischen Universitäten herrscht eine strenge Anwesenheitspflicht. Wer Vorlesungen und Seminaren ohne triftigen Grund fernbleibt, muss mit kleinen Geldstrafen rechnen. Bei gehäuften Fehlzeiten droht sogar der Ausschluss von Prüfungen. Plane deinen Stundenplan also sorgfältig und nimm die Anwesenheitspflicht ernst.
Lebenshaltungskosten in Rumänien
Die Lebenshaltungskosten sind einer der größten Vorteile eines Studiums in Rumänien. Im Vergleich zu Österreich oder Italien zahlst du hier deutlich weniger.
| Ausgabe | Bukarest / Cluj | Iasi / Timisoara |
|---|---|---|
| WG-Zimmer (Miete) | 300 - 450 Euro | 200 - 350 Euro |
| Lebensmittel | 150 - 250 Euro | 100 - 200 Euro |
| Transport | 10 - 25 Euro | 10 - 20 Euro |
| Krankenversicherung | 15 - 30 Euro | 15 - 30 Euro |
| Freizeit, Internet, Sonstiges | 100 - 180 Euro | 70 - 130 Euro |
| Gesamt pro Monat | 600 - 900 Euro | 400 - 700 Euro |
Die Mietpreise in den Universitätsstädten sind in den letzten Jahren gestiegen, vor allem in Cluj-Napoca und Bukarest. Trotzdem bleibt Rumänien eines der günstigsten Studienländer in der EU. Flüge nach Rumänien sind ab Deutschland oft schon für 30 bis 80 Euro (hin und zurück) zu bekommen.
Anerkennung in Deutschland
Rumänien ist seit 2007 Mitglied der Europäischen Union. Der Medizinabschluss entspricht den europäischen Standards und wird in Deutschland, allen weiteren EU-Ländern und auch in den USA anerkannt. Nach deinem Abschluss in Rumänien kannst du die deutsche Approbation beantragen.
Die meisten Studierenden, die in Rumänien anfangen, beenden ihr Studium auch dort. Das ist auch der empfehlenswerteste Weg, denn ein Wechsel nach Deutschland während des Studiums ist zwar grundsätzlich möglich, aber die Chancen auf einen freien Platz in einem höheren Semester an einer deutschen Uni sind gering.
Wenn du trotzdem einen Wechsel planst, empfiehlt sich dieser idealerweise nach dem zweiten Studienjahr. So hast du genug Zeit, dich auf das Physikum vorzubereiten und dich an einer deutschen Uni zu bewerben. Die Bewerbung richtest du direkt an die gewünschte deutsche Universität.
Häufige Fragen zum Medizinstudium in Rumänien
Brauche ich Rumänischkenntnisse?
Für die Zulassung nicht. Der Unterricht findet auf Englisch oder Französisch statt. Aber ab dem klinischen Abschnitt brauchst du Grundkenntnisse in Rumänisch für den Patientenkontakt. Die Universitäten bieten begleitende Sprachkurse an. Rumänisch ist als romanische Sprache relativ leicht zu lernen, besonders wenn du schon Französisch, Italienisch oder Spanisch sprichst.
Ist Rumänien wirklich so günstig?
Im Vergleich zu Westeuropa ja. Die Lebenshaltungskosten liegen bei 400 bis 900 Euro pro Monat, je nach Stadt. Die Mietpreise sind in den letzten Jahren allerdings gestiegen, besonders in beliebten Städten wie Cluj. Insgesamt bleibt Rumänien aber eine der günstigsten Optionen für ein Medizinstudium in der EU.
Welche Stadt ist die beste Wahl?
Das hängt von deinen Prioritäten ab. Cluj-Napoca ist die internationalste und lebendigste Stadt mit vielen deutschen Studierenden, aber auch die teuerste. Iasi ist deutlich günstiger und ruhiger. Timisoara liegt nahe der ungarischen und serbischen Grenze und hat einen mitteleuropäischen Charme. Bukarest ist die größte Stadt mit dem breitesten Angebot, aber auch am hektischsten.
Wie streng ist die Anwesenheitspflicht wirklich?
Sehr streng. Unentschuldigtes Fehlen kann zu Geldstrafen führen, und bei zu vielen Fehlstunden wirst du von Prüfungen ausgeschlossen. Das ist ein klarer Unterschied zu Deutschland, wo Anwesenheitspflichten eher locker gehandhabt werden. Plane dein Semester so, dass du regelmäßig anwesend sein kannst.
Wo bekomme ich Hilfe bei der Bewerbung?
Es gibt spezialisierte Agenturen, die den Bewerbungsprozess begleiten. Alternativ kannst du dich direkt bei den Universitäten bewerben. In Online-Foren und Facebook-Gruppen findest du Erfahrungsberichte von aktuellen Studierenden. Für eine unabhängige Einschätzung steht dir auch unsere Beratung zur Verfügung.










