Medizinstudium in Polen

Da das Medizinstudium noch immer zu einem der begehrtesten in Deutschland gehört, besteht hier natürlich auch eine entsprechend hohe Nachfrage. Viele Interessierte sehen sich jedoch regelmäßig mit dem in Deutschland geltenden Numerus Clausus (NC) konfrontiert, welcher von Abiturient/-innen – je nach Bundesland – einen Notendurchschnitt von 1,2 oder sogar 1,0 abverlangt. Wer diesen nicht vorweisen kann, muss entweder auf den Traum vom Medizinstudium verzichten und sich umorientieren oder zahlreiche Wartesemester in Kauf nehmen bis das Medizinstudium dann schließlich angetreten werden kann.

Als echte Alternative bietet sich hierfür ein Studium im Ausland an. Dafür eignen sich bereits zahlreiche Universitäten verschiedener (europäischer) Länder, darunter auch Polen. Das östliche Nachbarland Deutschlands gehört seit 2004 der Europäischen Union an und bietet Bewerber/-innen die Chance auf international anerkannte Abschlüsse. Polen ist zudem mit seinen über 300.000 Quadratkilometern Fläche eines der größten Länder Europas und hat in den letzten Jahrzehnten eine umfassende Entwicklung durchlaufen. Als Studienland bietet es mit seinen zahlreichen Hochschulen und Universitäten darüber hinaus vielseitige Ausbildungsmöglichkeiten für einheimische und ausländische Studierende.

Einige der polnischen Hochschulen können dabei bereits auf eine lange Tradition zurückblicken, während auf der anderen Seite relativ junge und moderne Universitäten attraktive Studienbedingungen und eine erstklassige Studierendenbetreuung anbieten. Nicht zu vergessen ist aber auch die reizvolle Landschaft, die Polen zu bieten hat: von den Gebirgen im Süden über die Masurischen Seen bis an die Ostseeküste. Hier vereinen sich hohe wissenschaftliche Standards mit einer ebenso hohen Naturvielfalt.

Studienaufbau des Medizinstudiums in Polen

Die Studieninhalte der medizinischen Studiengänge in Polen sind den deutschen im Grunde sehr ähnlich, wenngleich sich die zeitlichen Abläufe der Vermittlung einzelner Lehrinhalte hier durchaus unterscheiden. In Polen beginnt das akademische Jahr üblicherweise im Oktober und wird (wie in Deutschland auch) in Semester aufgegliedert, welchen zum Ende hin jeweils eine Prüfungsphase folgt. Die Studiendauer für das Medizinstudium beträgt in Polen in der Regel sechs Jahre. Anders als in Deutschland wird hier jedoch nicht strikt zwischen vorklinischem und klinischem Teil unterschieden und es werden keine Staatsexamina abgelegt.

Inhaltlich beginnt das erste Studienjahr in Polen mit den üblichen Grundlagenfächern wie etwa Anatomie. Daran schließen bereits im zweiten Jahr die ersten klinischen Fächer an. Mit dem vierten beziehungsweise fünften Studienjahr wird dann meist ein Blocksystem für die jeweils einzelnen Fächer über einen längeren Zeitraum hinweg eingeführt. Dadurch soll die intensivierte Auseinandersetzung mit den Inhalten und Themengebieten gewährleistet werden.

Das sechste und letzte Studienjahr ist in Polen als praktisches Jahr mit acht Teilfächern konzipiert. An dieses schließt letztlich die Graduation – die Verleihung des Medical Doctor (MD) beziehungsweise Doktordiploms – an. Einige Studierende versuchen jedoch bereits nach den ersten Semestern an eine deutsche Universität zu wechseln, da dann der NC nicht mehr relevant ist und dieser so umgangen werden kann. Wer dieses Ziel verfolgt, sollte idealerweise nach dem zweiten Jahr wechseln, da die bis hier erlangten Kenntnisse und Fertigkeiten etwa dem deutschen Physikum entsprechen.

Zulassungsvoraussetzungen für internationale Studenten

Zulassungsvoraussetzung für ein Medizinstudium in Polen ist – wie in den meisten anderen Ländern auch – das Abitur. Dabei ist aber vor allem auch die Fächerkombination von großer Bedeutung. In der Oberstufe sollten dementsprechend mindestens zwei Naturwissenschaften Teil des Stundenplans gewesen sein, darunter idealerweise Biologie und Chemie. Eines hiervon muss zudem als Leistungsfach bestanden haben. Da Studiengänge für ausländische Studierende zudem üblicherweise in englischer Sprache abgehalten werden, sind natürlich auch entsprechende Englischkenntnisse sowie ein Nachweis darüber notwendig.

Dagegen sind Kenntnisse der polnischen Sprache nicht zwingend erforderlich, wenngleich sich diese im Alltag natürlich als durchaus hilfreich erweisen können. Als attraktives Studienland gilt Polen aber vor allem, weil es hier keinen Numerus Clausus (NC) oder ein vergleichbares Zulassungskriterium gibt. Jedoch sind die Studienplätze für ausländische Studierende an den einzelnen Hochschulen begrenzt, sodass im Rahmen der verschiedenen Zulassungsverfahren zum Teil mit einem bestimmten Punktesystem gearbeitet wird. Aufnahmeprüfungen oder Eignungstests finden in Regel dabei jedoch nicht oder nur selten statt. Lediglich Eignungsinterviews sind je nach Hochschule (auf Englisch) zu erwarten.

Bewerbungsprozess an Unis in Polen

Bewerbungsverfahren für Universitäten in Polen können sich von Fall zu Fall durchaus unterschiedlich gestalten. Während beispielweise in Bialystok ein Eignungsinterview geführt und die Teilnahme an einem bestimmten Bewerbungsverfahren vorausgesetzt wird, muss für die Hochschule in Allenstein eine Aufnahmeprüfung absolviert und im Anschluss daran ein Interview in englischer Sprache bewältigt werden. Dementsprechend ist es also ratsam, sich hinsichtlich der genauen Gepflogenheiten direkt bei den jeweiligen Universitäten zu erkundigen. Nur so können schließlich wichtige Fristen eingehalten und die notwendigen Unterlagen vollständig eingereicht werden.

Die wichtigsten Informationen stellen die polnischen Hochschulen in der Regel auf ihren Internetseiten zur Verfügung. Natürlich sollten entsprechende Auskünfte möglichst frühzeitig eingeholt werden, sodass Bewerbungen pünktlich eingehen können. Um den Bewerbungsprozess im Ausland zu unterstützen, haben sich aber auch mittlerweile zahlreiche Organisationen etabliert. Natürlich wird für diesen Service jedoch in der Regel eine gewisse Provision verlangt.

Teil der Bewerbungsunterlagen, die für ein Medizinstudium an polnischen Universitäten benötigt werden, sind in der Regel das Abiturzeugnis, wichtige auszufüllende Anmeldeformulare, die Geburtsurkunde, ein Gesundheitsattest, ein Krankenversicherungsnachweis sowie eine Kopie des Personalausweises beziehungsweise Reisepasses. Darüber hinaus wird zum Teil auch ein Nachweis über die erfolgte Zahlung der Bewerbungsgebühren verlangt. Natürlich steht es Bewerberinnen und Bewerbern frei, ihren Dokumenten zusätzlich Nachweise über Praktika sowie Empfehlungsschreiben beizufügen. Diese sollten dann jedoch in englischer Sprache verfasst sein oder als englische Übersetzung zur Verfügung gestellt werden.

Universitätslandschaft in Polen

Die polnische Hochschullandschaft besticht vor allem durch ihre zahlreichen privaten Einrichtungen. Von insgesamt 390 Universitäten werden 258 privat und 132 staatlich finanziert. Trotz der starken Mehrheit privater Institutionen finden sich dennoch die meisten Studierenden (etwa drei Viertel) an staatlichen Universitäten wieder. Grund dafür ist vor allem die Tatsache, dass die nicht staatlichen Hochschulen Polens meist einen bestimmten fachlichen Schwerpunkt besitzen und beispielsweise ausschließlich Bachelor-Studiengänge (meist in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Fremdsprachen) anbieten.

Im Jahr 2018 waren an polnischen Universitäten laut DAAD-Ländersachstand rund 1.800.000 Studierende eingeschrieben, davon kamen 1,97 Prozent aus dem Ausland. Vor allem für die Herkunftsländer Ukraine, Belarus, Norwegen, Schweden und Spanien war Polen dabei ein begehrtes Studienland. Dies mag vor allem auch an den zahlreichen Universitäten liegen, die ihre Lehrveranstaltungen auf Englisch anbieten.

Für jene, die sich für ein entsprechendes Studium der Medizin interessieren, eignen sich hier besonders gut die Medizinische Universität Breslau (Wroclaw Medical University Breslau), die Medizinische Universität Lodz (Medical University of Lodz), die Medizinische Universität Bialystok (Medical University in Bialystok), die Pommersche Medizinische Universität in Stettin (Pomorski Uniwersytet Medyczny) sowie die Universitäten von Krakow und Olsztyn.

Eine besondere Chance bietet zudem die Medizinische Universität Lublin (Medical University of Lublin): hier kann ein sogenanntes „Dual Medical Degree“, also ein medizinischer Doppelabschluss in Kooperation mit der Wenzhou Medical University in China erworben werden. Das gesamte Medizinstudium erstreckt sich dabei über sechs Jahre und findet abwechselnd in Polen und China statt. Während der letzten zwei Jahre ist es außerdem möglich, an einer sogenannten „Klinik-Rotation“ in den USA teilzunehmen und so noch ein weiteres Land aus fachlicher Perspektive kennenzulernen.

Die genannten polnischen Universitäten kommen also auch für deutsche Bewerberinnen und Bewerber besonders infrage, da sie ihre Lehrveranstaltungen in englischer Unterrichtssprache anbieten. An der Pommerschen Universität in Stettin wird darüber hinaus aktuell sogar ein Medizinstudium in deutscher Sprache geplant.

Kosten eines Medizinstudiums in Polen

Generell gilt ein Vollzeitstudium an öffentlichen Hochschulen in Polen für EU-Bürger/-innen als kostenfrei. Studierende, die von außerhalb der EU kommen, sollten dagegen mit Studiengebühren in Höhe von 2.000 bis 3.000 Euro pro Jahr rechnen. Dem gegenüber fallen an privaten Institutionen in der Regel Kosten zwischen 2.000 und 12.000 Euro pro Jahr an.

Gerade die englischsprachigen, medizinischen Studiengänge stellen hier jedoch eine deutliche Ausnahme dar, da sie meist für alle Interessierten kostenpflichtig sind und dabei Studiengebühren in Höhe von 10.000 bis 14.000 Euro als üblich gelten. Im Vergleich zu Deutschland sind diese Kosten zwar als relativ hoch anzusehen, in Polen erweisen sich die Lebenshaltungskosten – besonders was Mieten, Lebens- und (öffentliche) Verkehrsmittel betrifft – jedoch als wesentlich niedriger. Durch die unmittelbare Nähe zu Deutschland können außerdem die Reisekosten relativ gering gehalten werden. Lediglich wer eine Organisation zur Betreuung des Bewerbungsprozesses beauftragt hat, muss außerdem noch zusätzliche Kosten für die anfallende Provision einberechnen. Als finanzielle Hilfe bietet sich hier aber immer auch die Inanspruchnahme eines Studien- oder Bildungskredites an.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Die von polnischen Universitäten verliehenen, medizinischen Abschlüsse sind in der Regel allesamt Bologna-konform und somit auch kompatibel mit dem Europäischen System der Anrechnung von Studienleistungen (nach ECTS-Punkten). Sie werden dementsprechend in der gesamten Europäischen Union, im europäischen Wirtschaftsraum sowie sämtlichen anderen Ländern anerkannt und sind damit für gewöhnlich auch in Deutschland approbationsfähig.

Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums in Polen

Vorteile

  • anerkannte Abschlüsse, teilweise auch als „Dual Medical Degree“
  • große Vielfalt an Universitäten mit englischsprachigem Lehrangebot im medizinischen Bereich
  • verhältnismäßig geringe Lebenserhaltungskosten
  • Nähe zu Deutschland und verhältnismäßig kurze Wege in die Heimat
  • Wechsel an deutsche Universität in der Regel problemlos möglich
  • Vielseitige Landschaften und eine wunderschöne, erholsame Umgebun

Nachteile

  • zum Teil relativ hohe Studiengebühren
  • Kenntnisse in englischer Sprache und entsprechender Nachweis für die Zulassung zum Studium notwendig

Fazit zum Medizinstudium im Polen

Zwar nimmt Polen als Studienland für deutsche Studierende noch immer keine Favoritenrolle ein, das Land bietet jedoch zahlreiche Möglichkeiten, um den Traum vom Medizinstudium wahrwerden zu lassen – vor allem für diejenigen, die aufgrund ihres Abiturdurchschnitts zunächst keine Chance haben, Medizin an einer Universität in Deutschland zu studieren. Polen besitzt neben seinem vergleichsweisen großen Angebot an erstklassigen und anerkannten, medizinischen Studiengängen aber zusätzlich auch wunderschöne Landschaften, welche sowohl eindrucksvolle Berggebiete als auch kilometerlange Ostseestrände für Naturfreunde und -Freundinnen bereithalten – und das in unmittelbarer Nähe zu Deutschland. Es kann sich also als durchaus sinnvoll und wirklich vielversprechend erweisen, Polen als Studienland in Betracht zu ziehen und hier den Traum vom Medizinstudium (ohne Wartesemester) in Angriff zu nehmen.

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