So kommst du an einen Medizinstudienplatz in Deutschland
Ein Medizinstudienplatz in Deutschland gehört zu den begehrtesten überhaupt. Zum Wintersemester 2025/26 haben sich laut Hochschulstart rund 31.500 Bewerber auf etwa 10.300 Studienplätze beworben. Das Verhältnis von drei Bewerbern pro Platz zeigt: Ohne Strategie und Vorbereitung wird es schwierig.
Doch die gute Nachricht: Seit der Reform des Zulassungsverfahrens im Jahr 2020 zählt längst nicht mehr nur die Abiturnote. In diesem Ratgeber erfährst du, wie das aktuelle Vergabeverfahren funktioniert, welche Quoten es gibt und wie du deine Chancen gezielt verbessern kannst.
Das Vergabeverfahren über Hochschulstart: Die drei Säulen
Die Studienplätze für Humanmedizin an staatlichen Universitäten werden zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung (Hochschulstart) vergeben. Das Verfahren besteht seit 2020 aus drei Säulen:
| Quote | Anteil | Entscheidendes Kriterium |
|---|---|---|
| Abiturbestenquote | 30 % | Abiturdurchschnitt |
| Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) | 10 % | Notenunabhängige Kriterien (TMS, Ausbildung, FSJ etc.) |
| Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) | 60 % | Kombination aus Abiturnote, TMS, Auswahlgespräch u.a. |
Die frühere Wartezeitquote ist seit 2022 endgültig abgeschafft. Reine Wartesemester bringen keine Vorteile mehr. Stattdessen zählen jetzt Eignungstests, Berufserfahrung und außerschulische Qualifikationen.
Abiturbestenquote (30 %): Wenn die Note stimmt
Über diese Quote werden 30 % der Studienplätze rein nach der Abiturdurchschnittsnote vergeben. Der erforderliche NC liegt je nach Bundesland und Semester bei 1,0 bis 1,1.
So funktioniert die Auswahl
- Landeslisten: Zunächst werden Bewerber nach dem Bundesland sortiert, in dem sie ihr Abitur abgelegt haben. Du konkurrierst also nur mit Bewerbern aus deinem eigenen Bundesland.
- Ausgleichsmechanismus: Da Abiturnoten zwischen den Bundesländern nicht direkt vergleichbar sind, greift ein statistischer Ausgleich. Damit soll verhindert werden, dass Bewerber aus Ländern mit strengerer Benotung benachteiligt werden.
- Bundesliste: Anschließend werden alle Bewerber in eine gemeinsame Rangliste zusammengeführt, auf deren Basis die Studienplätze verteilt werden.
NC-Grenzwerte Medizin (Wintersemester 2024/25)
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft die Auswahlgrenzen einiger Hochschulen:
| Hochschule | NC (Abiturbestenquote) |
|---|---|
| Münster | 1,0 |
| Charité Berlin | 1,0 |
| Heidelberg | 1,0 |
| Tübingen | 1,0 |
| Hamburg | 1,0 |
| Freiburg | 1,0 |
An nahezu allen 38 Hochschulstandorten für Humanmedizin lagen die NC-Werte im WS 2024/25 zwischen 1,0 und 1,1.
Wichtig: Auch in Schleswig-Holstein, wo im Abiturjahrgang 2025 8,6 % aller Absolventen eine 1,0 erreichten, reicht ein Top-Abitur nicht immer. In Hessen lag der Anteil der 1,0-Abschlüsse bei nur 5,1 %. Der Ausgleichsmechanismus soll solche Unterschiede auffangen.
Zusätzliche Eignungsquote / ZEQ (10 %): Deine Chance ohne Einser-Abi
Die ZEQ wurde 2020 als Ersatz für die Wartezeitquote eingeführt. Hier zählt die Abiturnote nicht. Stattdessen werden folgende Kriterien herangezogen:
- Ergebnis im TMS (Test für Medizinische Studiengänge) oder HAM-Nat
- Abgeschlossene Berufsausbildung in einem medizinisch relevanten Beruf (z.B. Krankenpflege, Rettungssanitäter, MTA)
- Abgeleistete Dienste: Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder vergleichbare Dienste
- Wettbewerbserfolge und besondere Vorbildungen
Die Gewichtung dieser Kriterien variiert von Universität zu Universität. An einigen Hochschulen zählt in der ZEQ ausschließlich das TMS-Ergebnis. Hamburg nutzt in der ZEQ den HAM-Nat und HAM-SJT als alleinige Kriterien.
Auswahlverfahren der Hochschulen / AdH (60 %): Die wichtigste Quote
Die Mehrheit der Studienplätze (60 %) wird über das hochschuleigene Auswahlverfahren vergeben. Hier kombinieren die Universitäten verschiedene Kriterien, wobei mindestens ein schulnotenunabhängiges Kriterium berücksichtigt werden muss. Typische Faktoren:
- Abiturdurchschnitt (oft 40-60 % der Gesamtbewertung)
- TMS-Ergebnis (oft 30-50 % der Gesamtbewertung)
- Auswahlgespräche oder Multiple Mini-Interviews (MMI)
- Abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitswesen
- Einzelnoten in naturwissenschaftlichen Fächern
- Ortspräferenz oder Bereitschaft zu Landarztvertrag
Da jede Hochschule eigene Gewichtungen festlegt, lohnt es sich, die Auswahlkriterien deiner Wunschunis genau zu studieren. Eine geschickte Bewerbungsstrategie kann deine Chancen deutlich erhöhen.
Der TMS: Dein stärkstes Werkzeug
Der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) ist der wichtigste Eignungstest für das Medizinstudium in Deutschland. Ein gutes Ergebnis kann eine mittelmäßige Abiturnote erheblich aufwerten.
TMS-Termine und Fristen 2026
| Termin | Datum | Anmeldung |
|---|---|---|
| Frühjahr 2026 | 9./10. Mai 2026 | 2. Januar - 18. Februar 2026 (3 Phasen) |
| Herbst 2026 | 7./8. November 2026 | 3. Juli - 19. August 2026 (3 Phasen) |
- Kosten: 100 Euro Prüfungsgebühr
- Ergebnisse Frühjahr: Verfügbar vom 30. Juni bis 30. September 2026
- Ergebnisse Herbst: Verfügbar vom 18. Dezember 2026 bis 31. März 2027
Achtung: Der TMS findet letztmalig im Herbst 2026 statt. Ab 2027 wird er durch den neuen bundeseinheitlichen Medizinertest TMSnat ersetzt. Informiere dich rechtzeitig über das neue Format.
So stark beeinflusst der TMS deine Chancen
An vielen Universitäten macht der TMS 40 bis 50 % der Gesamtbewertung im AdH aus. Das bedeutet: Selbst mit einem Abiturschnitt von 1,5 oder 1,8 kannst du durch ein sehr gutes TMS-Ergebnis (obere 10 %) realistische Chancen auf einen Studienplatz haben. Ohne TMS wird es mit einem Schnitt jenseits von 1,2 an den meisten Standorten dagegen eng.
Bewerbungsfristen bei Hochschulstart
Die Fristen unterscheiden sich danach, ob du Neu-Abiturient oder Alt-Abiturient bist:
| Bewerbergruppe | Frist WS 2025/26 |
|---|---|
| Neu-Abiturienten (Abitur ab 16.01. des Jahres) | 15. Juli, 24:00 Uhr |
| Alt-Abiturienten (Abitur vor dem 16.01. des Jahres) | 31. Mai, 24:00 Uhr |
Tipp: Reiche deine Bewerbung frühzeitig ein. Technische Probleme in letzter Minute oder fehlende Unterlagen können dazu führen, dass du die Frist verpasst. Lade alle Dokumente hoch, sobald sie verfügbar sind.
Weitere Zugangswege zum Medizinstudium
Neben dem klassischen Weg über Hochschulstart gibt es mehrere alternative Zugangswege. Diese sind besonders relevant, wenn dein Abiturschnitt nicht für die Abiturbestenquote reicht.
Landarztquote
Mehrere Bundesländer reservieren Studienplätze für Bewerber, die sich verpflichten, nach dem Studium mindestens 10 Jahre als Hausarzt in einer ländlichen, unterversorgten Region zu arbeiten. Der NC spielt hier eine untergeordnete Rolle. Stattdessen zählen TMS-Ergebnis (30-60 %), Berufserfahrung und Motivation.
Teilnehmende Bundesländer (Stand 2026): Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen. Thüringen plant die Einführung zum WS 2026/27.
Bei Nichterfüllung des Vertrags droht eine Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro. Diese Entscheidung will also gut überlegt sein.
Medizinstudium im Ausland
Wer in Deutschland keinen Platz bekommt, kann das Medizinstudium im Ausland beginnen und später nach Deutschland wechseln oder dort abschließen. Innerhalb der EU werden Abschlüsse grundsätzlich anerkannt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Wechsel.
Private Hochschulen
In Deutschland bieten mehrere private Hochschulen Medizinstudiengänge ohne NC an. Die Auswahl erfolgt über eigene Bewerbungsverfahren mit Motivationsschreiben, Interviews und Eignungstests.
| Hochschule | Studiengebühren gesamt (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|
| Universität Witten/Herdecke | 62.880 Euro | Umgekehrter Generationenvertrag (nachgelagerte Zahlung möglich) |
| HMU Erfurt | 90.000 Euro | Ca. 1.500 Euro/Monat |
| MSB Berlin | 93.000 Euro | Ca. 1.500 Euro/Monat |
| HMU Potsdam | 94.500 Euro | Ca. 1.500 Euro/Monat |
| MSH Hamburg | 94.500 Euro | Ca. 1.500 Euro/Monat |
Die Universität Witten/Herdecke bietet mit dem "Umgekehrten Generationenvertrag" ein besonderes Modell: Du zahlst während des Studiums nichts und finanzierst erst nach Berufseinstieg einkommensabhängig zurück.
Grundvoraussetzung: Was du für die Bewerbung brauchst
Unabhängig von der Quote brauchst du für die Bewerbung zum Medizinstudium:
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder eine gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung
- Registrierung bei Hochschulstart (hochschulstart.de)
- Ggf. TMS-Ergebnis (melde dich frühzeitig an!)
- Ggf. Nachweis über Berufsausbildung, FSJ/BFD oder andere Qualifikationen
- Motivationsschreiben (bei einigen Unis im AdH)
Deine Bewerbungsstrategie: 5 Tipps
- Mach den TMS: Er ist dein wichtigster Hebel, wenn du kein 1,0-Abitur hast. Bereite dich mindestens 2-3 Monate intensiv vor.
- Bewirb dich breit: Wähle bei Hochschulstart möglichst viele Ortspräferenzen. Flexibilität erhöht deine Chancen erheblich.
- Kenne die Kriterien deiner Wunschunis: Jede Hochschule gewichtet anders. Recherchiere, wo dein Profil am besten passt.
- Nutze die ZEQ: Wenn du eine medizinische Ausbildung oder ein FSJ vorweisen kannst, verbessert das deine Position in der ZEQ deutlich.
- Plan B entwickeln: Überlege frühzeitig Alternativen wie die Landarztquote, ein Studium im Ausland oder eine Privatuni. So stehst du nicht mit leeren Händen da, falls es im ersten Anlauf nicht klappt.
Du brauchst Hilfe bei der Bewerbungsstrategie? Unsere Studienberatung unterstützt dich bei der Auswahl der richtigen Universitäten und der optimalen Nutzung deiner Bewerbungschancen.

