Medizinstudium in Tschechien

Zahlreiche Abiturient/-innen stehen jedes Jahr vor der Herausforderung, einen Studienplatz für sich zu finden. Gerade diejenigen, welche von einem Medizinstudium träumen, haben es dabei oft schwer, denn für die Zulassung gelten in Deutschland strenge Richtlinien. Vor allem der Numerus Clausus von (je nach Bundesland) 1,2 oder sogar 1,0 stellt für viele Interessent/-innen eine unbezwingbare Hürde dar. Wer dennoch an seinem Vorhaben, Medizin zu studieren, festhalten will, muss dann in der Regel zahlreiche Wartesemester in Kauf nehmen, bis er zugelassen werden kann.

Dabei bieten zahlreiche Universitäten im Ausland die Möglichkeit, unmittelbar nach dem Abitur in ein Medizinstudium einzusteigen – und das meist ohne die Voraussetzung eines bestimmten Notendurchschnitts. Doch nicht nur das: Universitäten, die Studiengänge für internationale Studierende anbieten, ermöglichen zudem grenzüberschreitende Erfahrungen und die Chance eines interkulturellen Austauschs. So auch einige der Hochschulen Tschechiens. Das Binnenland zwischen West- und Osteuropa besitzt eine Fläche von 78.000 Quadratkilometern und ist aktuell in vierzehn Verwaltungsbezirke eingeteilt. Hier laden zudem zahlreiche imposante Bauten, romantische Schlösser, aber auch malerische Wanderwege durch teilweise nahezu unberührte Naturgebiete sowie verschiedene Gebirgslandschaften (zum Skifahren) zu einem Besuch ein. Darüber hinaus verfügt Tschechien über zahlreiche alte Kurstädte wie beispielsweise Karlsbad oder Marienbad. Kulturinteressierte und Geschichtsfans kommen vor allem in der Hauptstadt Prag auf ihre Kosten, hier wird europäische Geschichte in ganz besonderem Maße lebendig und ebenso erfahrbar.

Ein Medizinstudium in Tschechien bietet damit nicht nur eine erstklassige Ausbildung sowie nach dem Abschluss einen international anerkannten Titel, sondern ebenso ein hohes Maß an Lebensqualität und vielseitige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Studienaufbau des Medizinstudiums in Tschechien

Das Medizinstudium in Tschechien erstreckt sich insgesamt über sechs Studienjahre. An allen Universitäten folgt es dabei einer exakt geregelten Struktur, wobei die tatsächlichen Schwerpunktsetzungen von Universität zu Universität variieren können. Üblicherweise werden in den ersten Semestern des Medizinstudiums in Tschechien in theoretischer Form Grundlagenfächer unterrichtet. Zu diesen gehören beispielsweise Anatomie, Mikrobiologie und Histologie. Ab dem dritten Studienjahr kommen für die Studierenden dann zunehmend Erfahrungen im Klinikalltag hinzu. Das sechste und abschließende Studienjahr wurde in Tschechien als Praxisteil konzipiert, wobei besonders nah am Patienten beziehungsweise an der Patientin gearbeitet werden soll. Seminare, Vorlesungen wie auch praktischen Übungen finden an tschechischen Universitäten in der Regel in Kleingruppen statt, um bestmögliche Lerneffekte erzielen zu können.

Im Unterschied zum Studienaufbau an deutschen Universitäten ist an tschechischen Hochschulen jedoch kein zweites Staatsexamen zu absolvieren. Wer zudem beispielsweise an der Karlsuniversität in Prag studiert, hat grundsätzlich die Möglichkeit, seinen praktischen Teil an der deutschen Universität in Chemnitz abzuleisten. Im Allgemeinen besteht an den meisten der tschechischen Universitäten aber die Chance, nach etwa dem zweiten abgeschlossenen Fachsemester an eine deutsche Hochschule zu wechseln. Viele der Studierenden nutzen diese Möglichkeit, um den Numerus Clausus zu umgehen, da er bei einem Wechsel schließlich nicht mehr relevant ist.

Schwierig kann es dabei jedoch werden, einen freien Studienplatz zu finden, da diese in den höheren Semestern erfahrungsgemäß wenig vorhanden sind. Zudem gilt: Je länger ein Medizinstudium in Tschechien verfolgt wird, desto mehr Semester können bei einem Wechsel vonseiten der gewählten deutschen Universität anerkannt werden. Grundsätzlich sollte dieser Schritt aber gut überlegt sein, denn für die Aufnahme in ein höheres Fachsemester besteht an deutschen Universitäten keine Garantie.

Zulassungsvoraussetzungen für internationale Studenten

Für die Zulassung zu einem Medizinstudium in Tschechien ist grundlegend erst einmal die Allgemeine Hochschulreife notwendig. Die dabei erreichte Durchschnittsnote ist hier jedoch nicht von Bedeutung. Fachrelevante Kenntnisse werden dagegen im Rahmen einer Aufnahmeprüfung abgefragt. Vor allem Inhalte aus den Bereichen Biologie, Chemie, Physik und/ oder Mathematik stehen hierbei im Vordergrund. Meist sind derartige Zulassungsprüfungen als Multiple-Choice-Tests konzipiert, welche etwa eine Stunde in Anspruch nehmen.

Die tschechischen Universitäten schicken Bewerber/-innen das Lernmaterial hierfür in der Regel zu. Zusätzlich zu den Aufnahmetests sind außerdem persönliche Interviews üblich, in denen beispielsweise auch Sprachkenntnisse überprüft werden können. Von Vorteil ist hierbei, dass das Zulassungsverfahren zum Teil von Deutschland aus erfolgen kann, sodass Bewerber/-innen einige Reisekosten sparen.

Bewerbungsprozess an Unis in Tschechien

Da tschechische Universitäten beziehungsweise die meisten ihrer medizinischen Fakultäten ausschließlich zum Wintersemester neue Studierende aufnehmen, sollte der Bewerbungsprozess möglichst reibungslos verlaufen. Einige Agenturen und Organisationen haben sich deshalb bereits auf eine entsprechende Unterstützung von Bewerber/-innen spezialisiert, um ihnen den idealen Einstieg in ihr Auslandsstudium zu ermöglichen. Für einen solchen Service fallen in der Regel jedoch zusätzliche Kosten an. Grundsätzlich beginnt die Bewerbungsfrist für das Wintersemester in Tschechien teilweise schon Mitte Mai, Ende April oder auch Mitte Juni. Dies soll gewährleisten, dass zukünftige Studierende genug Vorlaufzeit haben, um alle organisatorischen Aufgaben bewältigen zu können.

Zu den notwendigen Bewerbungsunterlagen gehören dabei zunächst lediglich das Abiturzeugnis sowie der Nachweis über ein positives Ergebnis bei der jeweiligen Aufnahmeprüfung. Alle weiteren Unterlagen – etwa weitere beglaubigte Zeugnisse, Kopien des Personalausweises oder Reisepasses und ähnliches – werden erst notwendig, wenn sich Bewerber/-innen tatsächlich für das Medizinstudium in Tschechien entschieden haben. Genauere Informationen stellen die Universitäten regelmäßig auf ihren Internetseiten bereit, denn die notwendigen Unterlagen können von Institution zu Institution oder auch von Jahr zu Jahr variieren.

Universitätslandschaft in Tschechien

Tschechien besitzt insgesamt 66 Hochschulen, davon 26 öffentliche, 2 staatliche (jeweils eine Militär- und eine Polizeischule) sowie 38 private Hochschulen. An den Privathochschulen ist jedoch nur ein geringer Anteil der Studierenden (circa 10 Prozent) eingeschrieben. Die Hochschullandschaft Tschechiens erweitern außerdem elf zugelassene Fakultäten beziehungsweise Niederlassungen ausländischer Universitäten, sowie zusätzlich 181 der sogenannten „Höheren Fachschulen“, welche tertiäre Bildungseinrichtungen des nichtuniversitären Typs beschreiben.

Im Jahr 2018 waren an tschechischen Universitäten nach DAAD-Ländersachstand insgesamt 418.624 Studierende eingeschrieben. Der Anteil an ausländischen Studierenden lag dabei bei 9,39 Prozent. Sie kamen vor allem aus der Slowakei, sowie den Herkunftsländern Russland, der Ukraine, Kasachstan und Vietnam. Der hohe Anteil internationaler Studierender sowie deren Vielfalt kann vor allem auf die zahlreichen Angebote englischsprachiger medizinischer Studiengänge in Tschechien zurückgeführt werden. Die größte Universität, welche einen solchen in ihrem Programm hat, ist dabei die Karlsuniversität in Prag mit mehr als 50.000 Studierenden. Hier gibt es insgesamt drei medizinische Fakultäten, welche internationale Bewerber/-innen annehmen.

Die erste medizinische Fakultät (First Faculty of Medicine Charles University) bietet das humanmedizinische Studium an. Hier können jährlich 140 internationale Studierende aufgenommen werden. An der zweiten medizinischen Fakultät (Second Faculty of Medicine Charles University) kann dagegen Zahnmedizin studiert werden. Hier sind regelmäßig 60 Studienplätze für internationale Studierende zu besetzen. Die dritte medizinische Fakultät (Third Faculty of Medicine Charles University) bietet dagegen die Möglichkeit der Vorbereitung auf den Zulassungsprozess und das Studium in Tschechien. Sie bietet ebenfalls 60 Studienplätze für internationale Bewerber/-innen an.

Zudem hat die Masaryk Universität (Masaryk University) in Brno ein englischsprachiges Medizinstudium in ihrem Studienangebot. Sie wurde bereits im Jahre 1919 gegründet und blickt damit auf eine lange Tradition zurück. Hier können die Studiengänge der Human- und Zahnmedizin sowie Physiotherapie belegt werden. Die Universitätsstadt im Osten des Landes gilt zudem als günstigere und ruhigere Studienmöglichkeit und wird aus diesen Gründen von vielen Studierenden sehr geschätzt.

Daneben bietet Tschechien englischsprachige Studiengänge der Medizin an der Olomouc die Palacky Universität (University Olomuc Faculty of Medicine and Dentistry), welche regelmäßig 200 internationale Studierende aufnimmt, und an der Karlsuniversität Hradec Kralove (Faculty of Medicine in Hradec Kralove) an. Vor allem wer es ruhig und gleichzeitig modern mag, ist an der letzteren Hochschule sehr gut aufgehoben. Das Städtchen Hradec Kralove liegt circa 100 Kilometer östlich von Prag und besitzt circa 100.000 Einwohner/-innen.

Kosten eines Medizinstudiums in Tschechien

Die tatsächliche Höhe der Studiengebühren kann von Universität zu Universität variieren. Meist bewegt sich die jährliche Summe hierfür jedoch im Bereich zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Das tschechische Medizinstudium gehört somit zu den etwas teureren Alternativen. Hinzu kommen außerdem übliche Lebenshaltungskosten, die in Tschechien mittlerweile fast dem deutschen Durchschnitt entsprechen. Vor allem in Prag sollten Studierende mit allgemein höheren Kosten rechnen, wohingegen das Leben im Landesinneren deutlich günstiger ausfallen kann.

Durchschnittlich liegen die Kosten für ein Zimmer in einem Wohnheim oder einer WG jedoch bei 400 bis 500 Euro. Mahlzeiten können dagegen relativ günstig in der Mensa bezogen werden. Ermäßigungen gibt es für Studierende in Tschechien unter anderem im Bereich der Mobilität beziehungsweise öffentlichen Verkehrsmittel: etwa 11 Euro kostet eine Monatskarte. Dagegen liegen die günstigsten Flüge bei etwa 45 bis 50 Euro. Wer öfter nach Deutschland reisen möchte, kann dies also – je nach genauem Start und Ziel – auch genauso gut mit dem Auto vornehmen. In der Finanzplanung sollten zudem mögliche Provisionen für Agenturen zur Unterstützung des Bewerbungsprozesses nicht vergessen werden. Finanzielle Hilfe bieten zur Kostendeckung dabei beispielsweise verschiedene Bildungs- und/ oder Studienkredite wie etwa das sogenannte Auslands-BAföG. Wer die dafür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt, kann mit bis zu 4.600 Euro unterstützt werden.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Da die (Internationalen) Studiengänge der Universitäten in Tschechien allesamt entsprechend des Bologna-Prozesses angepasst wurden, gelten hier erlangte Abschlüsse sowohl innerhalb der Europäischen Union, als auch im Europäischen Wirtschaftraum und darüber hinaus (beispielsweise in den USA) als anerkannt.

Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums in Tschechien

Vorteile

  • kein Numerus Clausus als Zulassungsvoraussetzung
  • Mehrere Universitäten, welche ein englischsprachiges Medizinstudium anbieten
  • Wechsel an eine deutsche Universität in der Regel unkompliziert möglich
  • Bewerbungsverfahren teilweise von Deutschland aus möglich
  • Chance auf internationale und interkulturelle Erfahrungen und Kontakte
  • kein zweites Staatsexamen
  • anerkannte Abschlüsse

Nachteile

  • Studiengebühren
  • Zulassungstest
  • teilweise hohe Reisekosten (vor allem Flugtickets)

Fazit zum Medizinstudium in Tschechien

Ein Medizinstudium in Tschechien empfiehlt sich vor allem für all diejenigen, welche den in Deutschland hierfür notwendigen Numerus Clausus nicht erreichen konnten und dennoch unmittelbar nach dem Abitur mit dem Studium beginnen möchten. Die tschechischen Universitäten bieten internationalen Studierenden dabei zahlreiche Studienplätze bei vergleichsweise angenehmen Zulassungsmodalitäten, was die Chancen für eine Aufnahme an der gewünschten Hochschule deutlich erhöht. Da Tschechien zudem ein Nachbarland Deutschlands ist, bietet es sich als Studienort für all jene an, die gern in Nähe ihrer Heimat und/ oder Familie studieren möchten. Gleichzeitig ermöglicht die Vielfalt internationaler Studierender einen Austausch über Ländergrenzen hinaus sowie zahlreiche interkulturelle Begegnungen.

Universitäten in Tschechien mit Medizin-Studienplätzen

Ähnliche Artikel
Während zahlreiche Abiturient/-innen von einem Medizinstudium sowie der späteren Karriere als Ärztin oder Arzt träumen,
Wer Medizin studieren möchte, jedoch den in Deutschland hierfür notwendigen Numerus Clausus von – je
Russland gilt mit seiner immensen Fläche von etwa 17 Millionen Quadratkilometern als das größte Land