Medizinstudium in Italien

Das Hochschulwesen in Italien hat vor gut 10 Jahren eine riesige Reform durchlaufen, die es ermöglicht, eine große Anzahl an Studiengängen bereits nach drei Jahren zu beenden. Das Medizinstudium wurde, obwohl es in vielen Zügen recht veraltet ist, von dieser Reform nicht berührt. Unter veraltet versteht man vor allem das Ungleichgewicht zwischen Theorie und Praxis, dass dem italienischen Ausbildungssystem eher einen schulischen Charakter verleiht. Das bloße auswendig lernen wird von den Professoren geschätzt, in Sachen Famulatur und Praktikum werden die Studenten im Verhältnis zu anderen Ländern, weniger in die Pflicht genommen. Deutsche Studenten, die praktische Auslandserfahrungen in Italien gesammelt haben, berichten, dass man in den Kliniken zwar herzlich aufgenommen und gut behandelt wird, man dort allerdings mehr über die Schulter schaut, als das man selbst die Chance bekommt, Patienten zu behandeln. Viel mehr Wert wird auf wissenschaftliches Arbeiten gelegt. Jeder Student sollte im Laufe seines Studiums wissenschaftliche Artikel veröffentlichen. Auch die Prüfungspraxis unterscheidet sich von der in Deutschland. Schriftliche Klausuren gibt es nur selten, die Prüfungen finden meist mündlich und öffentlich statt.

Trotz des verschulten Systems, ist Italien für deutsche Studenten höchst interessant. Besonders für jene Studienbeginner, die in Deutschland, die keinen Studienplatz in Deutschland bekommen, eröffnet sich durch das italienische Auswahlverfahren unter Umständen die Möglichkeit, das Medizinstudium ohne Wartezeit aufzunehmen. Der Trick bei der Sache: Wer in Italien das gesamte Physikum absolviert, bekommt dies in der Regel in Deutschland anerkannt und kann, ohne Umweg über die Studienplatzvergabe, an eine deutsche Uni wechseln. Den Numerus Clausus (NC) umgeht man somit geschickt und sammelt gleichzeitig noch eine wichtige Auslandserfahrung.

Trotzdem stellen sich dem Bewerber noch zwei große Hürden in den Weg. Zunächst natürlich die italienische Sprache. Wer ein Medizinstudium absolvieren möchte, sollte natürliche über fundierte Sprachkenntnisse verfügen, bzw. sich diese rechtzeitig aneignen. In Rom gibt es z.B. die Leonardo Da Vinci Sprachschule, die Sprachkurse speziell zur Vorbereitung auf das Medizinstudium anbietet.

Die zweite Hürde ist der Aufnahmetest, den jeder Studienanfänger absolvieren muss. Schulwissen aus den Bereichen Mathematik, Biologie, Chemie und Physik werden hier abgefragt. Vorteilhaft ist, dass die italienische Schulbildung ein niedrigeres Niveau als die deutsche hat. Neben dem Grundwissen in den Naturwissenschaften wird auch das logische Denken unter Zeitdruck getestet, sowie ein Interview geführt.

Bewerbung zum Medizinstudium in Italien

Egal ob Studienbeginner oder Gaststudent für ein Semester, die Bewerbung erfolgt direkt bei der Universität. Dort sollte man sich auch erkundigen, welche Bewerbungsunterlagen benötigt werden. In der Regel sollten diese ein übersetztes und beglaubigtes Abiturzeugnis, sowie die „dichiarazione di valore“, die Bescheinigung über Gleichwertigkeit des deutschen mit dem italienischen Abschluss enthalten. Diese beantragt man beim italienischen Konsulat. Über diesen Weg ist es unter Umständen sogar möglich, mit der Fachhochschulreife an einer italienischen Universität angenommen zu werden.

Desweiteren sollte man formlos seine wirtschaftliche Unterhaltsfähigkeit nachweisen und den Beleg beilegen, der die Zahlung der ersten Rate der Studiengebühren bestätigt.

Termine / Fristen der Bewerbungen

Ende Juni/Juli: Ende der Bewerbungsfrist an zahlreichen Hochschulen

Anfang September: Sprach- und Aufnahmeprüfung an den Unis

November: Beginn des Studienjahres

Für genaue Daten sollte man sich noch einmal an der Uni seiner Wahl erkundigen.

Aufnahmeprüfung bzq. Zulassungsbeschränkung der italienischen Hochschulen

Der Zugang zum italienischen Medizinstudium ist zulassungsbeschränkt. Ähnlich wie in Deutschland gibt es pro Studienplatz ca. sechs Bewerber. Allerdings ist das dortige Auswahlverfahren umfassender als das Deutsche und widmet sich den gesamten Fähigkeiten eines Bewerbers. So steuert die Abiturnote lediglich 20% zur Entscheidung zwischen Aufnahme und Absage bei. Die restlichen 80% setzen sich aus der naturwissenschaftlichen Prüfung, dem Logik-Test und dem Interview zusammen.

Eine Immatrikulation über Ausländerquoten ist für EU-Bürger leider nicht möglich. Gaststudenten, die bereits an einer deutschen Uni eingeschrieben sind und nicht über das Erasmus Programm nach Italien gehen, müssen keinen Aufnahmetest absolvieren. Ein Sprachnachweis ist unter Umständen Vorraussetzung.

Studiengebühren und Kosten im italienischen Medizinstudium

Die Studiengebühren liegen, je nach Universität, zwischen 750 und 2300 EUR pro Studienjahr. Die Lebenshaltungskosten sind vergleichbar mit denen im restlichen Europa. Mit ca. 700 EUR im Monat kommt man locker über die Runden. Der Süden Italiens ist übrigens wesentlich billiger als der Norden.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Die deutschen Landesprüfungsämter tun sich oft schwer bei der Anerkennung italienischer Leistungsnachweise. Es gilt natürlich die schlaue Faustregel: „Die erbrachten Studienleistungen müssen äquivalent mit den Anforderungen in Deutschland sein“. Erfahrungsgemäß ist dies zum Beispiel der Fall, wenn man sein gesamtes Physikum in Italien absolviert.

Jedes LPA hat jedoch seine ganz eigene Vorstellung was nun äquivalent ist und was nicht. Deshalb sollte man noch vor Beginn des Studiums zunächst mit seinem LPA in Kontakt treten und abklären, welche Leistungen anerkannt werden. Auch ein Gespräch mit einem zuständigen Professor einer deutschen Uni, bestenfalls der Uni an die man plant später zu wechseln, kann Aufschluss darüber geben, welche Scheine man im Ausland gar nicht erst machen muss, da sie später überhaupt nicht anerkannt werden. Wer hier entsprechend plant, kann seinen Auslandsaufenthalt oft sehr effektiv nutzen. Dies gilt übrigens generell für Auslandssemester in allen Ländern.

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