Medizinstudium in Kroatien

Kroatien, die sogenannte „Perle der Adria“, gilt heute nicht mehr nur als ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch als ein gefragter Wirtschafts- und Hochschulstandort. Das südosteuropäisch gelegene Land bietet auf seiner verhältnismäßig kleinen Fläche von rund 57.000 km² dabei genügend Platz für wunderschöne Landschaften sowie vielfältige kulturelle Höhepunkte. Dazu gehören beispielsweise das wilde Küstengebirge und die pannonische Tiefebene im Osten des Landes sowie die zerklüftete Adriaküste mit ihren malerischen Hafenstädtchen. Für all jene Abiturient/-innen, die von einem Medizinstudium träumen, jedoch den meist notwendigen, sehr guten Notendurchschnitt – er liegt je nach Bundeland beispielsweise bei 1,0 oder 1,2 – für die Zulassung zum Studium in Deutschland nicht erreichen konnten, bietet Kroatien als Studienland also eine großartige Alternative. Auch unzählige Wartesemester können so schließlich umgangen werden. Doch nicht nur das: In Kroatien vereint sich eine erstklassige Ausbildung mit hoher Lebensqualität und zahlreichen Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Bereits sieben staatliche Hochschulen haben hier den Bologna-Prozess der Europäischen Union umgesetzt, drei davon eignen sich aufgrund ihres Studienangebots in englischer Sprache hervorragend auch für ausländische Studierende.

Studienaufbau des Medizinstudiums in Kroatien

Infolge der Umstellung der Studiengänge im Sinne des europäischen Bologna-Prozesses konnte sich auch Kroatien zunehmend für ausländische Studierende öffnen. Studieninhalte, -Leistungen und -Qualität können sich nun mit jenen anderer Universitäten vergleichen lassen und bieten außerdem Chancen des internationalen Austauschs. Landesweit wurden dementsprechend sämtliche Studiengänge in Bachelor-, Master- und Aufbaustudium aufgegliedert und das das ECTS-Punktesystem eingeführt.

Das Studium an kroatischen Universitäten beginnt in der Regel zum 1. Oktober eines jeden Jahres und endet am 15 Juli. Es gliedert sich hier also nicht wie in Deutschland in Semester beziehungsweise Halbjahre auf. Lehrveranstaltungen werden an kroatischen Universitäten zudem in Form von Blockveranstaltungen entsprechend der einzelnen Fächer abgehalten, welche mit einer ersten Klausurphase einige Tage nach dem Ende der Sitzungen abschließen. Eine zweite Klausurphase erfolgt dann zusätzlich meist von Mitte bis Ende Juli.

An kroatischen Universitäten wird zudem wesentlich mehr als an deutschen Hochschulen nach dem Prinzip des „evidence-based-learning“ gearbeitet. Die Behandlung von Krankheiten steht hier also deutlich im Vordergrund, das Auswendiglernen verschiedener potenzieller Probleme dagegen im Hintergrund. Bereits nach drei Jahren wird zudem beispielsweise an der Universität in Split eine Art Zwischenprüfung, ähnlich dem deutschen Physikum, geschrieben. Nach Abschluss des insgesamt 6-jährigen Medizinstudiums finden dann eine zweite und dritte Prüfung statt. Wurden diese bestanden, kann die Beantragung beziehungsweise Erteilung der Approbation erfolgen.

Für die Universität Rijeka gilt als Voraussetzung hierfür jedoch zusätzlich auch ein Nachweis über kroatische Sprachkenntnisse auf höherem Niveau. Nur hiermit können ausländische Studierende schließlich ihre Approbation erhalten.

Der Unterricht findet in Kroatien in der Regel sowohl in theoretischer Form als auch praktisch in verschiedenen Kliniken (beispielsweise für Orthopädie, Herzleiden, etc.) statt. Zum Curriculum der Studierenden gehören dabei in Kroatien etwa dieselben Inhalte (beispielsweise Pathologie, Psychologie, Anatomie, etc.), welche auch an deutschen Universitäten gelehrt werden, wenn auch in anderer Reihenfolge. Die Hochschule in Rijeka bietet darüber hinaus die Besonderheit, dass sie ihre Studierenden außerdem an die wissenschaftliche Arbeit sowie entsprechende Fallstricke und Fragestellungen heranführt. Sie gilt auch aus fachlicher sowie pädagogischer Perspektive als eine der besten Universitäten (nicht nur) des Landes. Generell bieten jedoch alle kroatischen Hochschulen eine medizinische Ausbildung auf hohem Niveau, welche sich in Vergleichen zu anderen europäischen Spitzenuniversitäten durchaus sehen lassen können.

Zulassungsvoraussetzungen für internationale Studenten

Auch für Universitäten in Kroatien gilt das deutsche Abitur oder ein gleichwertiger Abschluss als die wichtigste Zugangsvoraussetzung. Jedoch kann hier, anders als in Deutschland, ein Medizinstudium auch ohne einen besonders guten Notendurchschnitt (in Kroatien gibt es keinen Numerus Clausus) angetreten werden. Von Bedeutung ist vielmehr, dass Bewerber/-innen hervorragende Sprachkenntnisse in Englisch, beispielsweise durch eine gute Abiturnote oder einen international anerkannten Sprachtest wie TOEFL oder IELTS, nachweisen können. Nur hiermit wird es den Bewerber/-innen innerhalb ihres Studiums schließlich auch möglich sein, dem Stoff entsprechend zu folgen, da Kurse üblicherweise in Englisch, einige aber auch in Kroatisch, angeboten werden.

Beispielsweise für die Universität in Zagreb müssen sich potenzielle Studierende zudem einem Aufnahmetest in den Fächern Biologie, Chemie und Physik unterziehen. Dieser umfasst insgesamt 120 Fragen zu je 40 pro Fachbereich. Hiervon müssen jeweils mindestens 15 und insgesamt mindestens 61 Fragen korrekt beantwortet werden, um zu bestehen. Auch die Universität Rijeka verlangt einen solchen Eignungstest in ähnlicher Form. Dazu wird Lernmaterial zwar zur Verfügung gestellt, dieses kann ein tieferes Vorwissen jedoch keineswegs ersetzen. In anderen Universitäten trifft dagegen eine Aufnahmekommission die Entscheidung, welche der potenziellen Studierenden letztlich zugelassen werden.

Wer lediglich für ein Auslandsjahr an eine kroatische Universität kommen möchte, sollte unbedingt bereits vor der Reise klären, welche Leistungen von der „Heimat-Uni“ anerkannt werden können. Dies vermag Studierenden letztlich viel zusätzliche Arbeit zu ersparen.

Bewerbungsprozess an Unis in Kroatien

Bewerbungen für das Medizinstudium an einer Hochschule in Kroatien können direkt an die Hochschule gerichtet werden. Hier wird außerdem entsprechende Hilfe zu notwendigen Dokumenten und sonstigen organisatorischen Fragen auf den jeweiligen Webseiten der Universitäten angeboten. In der Regel werden jedoch die üblichen Zeugnisse (ins englische übersetzt und beglaubigt) sowie ein Lebenslauf, aber auch Passbilder (die nicht älter sein sollten als sechs Monate), eine Geburtsurkunde und Auszüge aus dem eigenen Pass gefordert.

Beispielsweise die Universität Zagreb verlangt zudem einen Nachweis über ausreichend finanzielle Mittel des/ der Studierenden beziehungsweise dessen/ deren Eltern. Natürlich ist hier auch der unbedingt notwendige Nachweis über höhere Englischkenntnisse nicht zu vergessen.

Auskunft über die jeweils genau einzuhaltenden Fristen (die Bewerbungsfrist läuft oftmals bis Mitte Juni) sind ebenfalls auf den jeweiligen Webseiten der Universitäten zu finden. Natürlich gibt es aber auch einige Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, Interessierte und deren Bewerbungsprozess gegen eine bestimmte Provision entsprechend zu unterstützen.

Universitätslandschaft in Kroatien

Die kroatische Hochschullandschaft umfasst sowohl sieben staatliche als auch zwei private Universitäten. Diese haben zum Teil eine sehr lange Tradition und werden überwiegend von staatlicher Seite finanziert. Sie bieten zum Großteil akademische Abschlüsse an, dagegen sind die eher fachhochschulähnlichen „Polytechnics“ vornehmlich für berufsbezogene Studiengänge und -Programme bekannt.

Der Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union hatte schließlich weitreichende Reformen zur Folge. Nicht nur in Sachen Studienstruktur, sondern auch hinsichtlich ihrer Ausstattung konnten die kroatischen Hochschulen in den vergangenen Jahren schließlich sehr stark aufholen und sich europäischen Standards angleichen. Eine gleichbleibende Qualität der Universitäten stellt in Kroatien zudem die Akkreditierungsbehörde „Agency of Science and Higher Education Croatia“ sicher.

An den meisten kroatischen Hochschulen wird dabei in der Landessprache gelehrt. Die Universitäten Zagreb, Rijeka und Split bieten jedoch auch Studiengänge in englischer Sprache an und nehmen dementsprechend ebenso ausländische Studierende auf. Insgesamt betrug der Anteil ausländischer Studierender an kroatischen Hochschulen dabei laut DAAD-Ländersachstand 0,51 Prozent für das Jahr 2018. Dabei kommen ausländische Studierende am häufigsten aus den Ländern Bosnien und Herzegowina, Slowenien, Deutschland, Schweden und Israel. Zagreb und Split bieten dafür regelmäßig 50 Studienplätze im Bereich Medizin an, die Universität in Rijeka nimmt in der Regel 30 Bewerber/-innen aus dem Ausland auf.

Kosten eines Medizinstudiums in Kroatien

Das Medizinstudium in Kroatien unterscheidet sich von anderen vor allem auch darin, dass hier Semestergebühren in unterschiedlicher Höhe anfallen. Dabei können Kosten sowohl jährlich als auch halbjährlich – je nach gewählter Hochschule – anfallen. In der Regel bewegen sich diese in einem Bereich von (jährlich) etwa 9.000 bis 12.000 Euro, je nachdem welcher Standort und welches Studienfach gewählt wird. Genauere Informationen hierzu sind natürlich stets auf den jeweiligen Webseiten der Universitäten zu finden.

Neben üblichen Studiengebühren sollten aber natürlich auch Lebenserhaltungskosten bei der Entscheidung für oder gegen einen Studienort berücksichtigt werden. Diese fallen in Kroatien noch immer vergleichsweise günstig aus. Ein monatliches Budget von etwa 400 bis 700 Euro sollte hier ausreichen, um Miete, Lebensmittel, aber auch Mobilität und Freizeitgestaltung abdecken zu können. Vor allem Split und Zagreb verfügen dabei über ein sehr gut ausgebautes und dabei günstiges Personennahverkehrsnetz, sodass ein eigenes Auto hier kaum nötig sein dürfte.

Dagegen ist das Zugsystem Kroatiens gegenüber dem Busverkehr kaum konkurrenzfähig, jedoch gestalten sich die Preise für Flüge nach Kroatien (und natürlich auch zurück) als wirklich sehr günstig. Für diejenigen, welche eine Agentur zur Unterstützung ihres Bewerbungsprozesses engagiert haben, fallen natürlich außerdem noch entsprechende Provisionskosten an. Wer finanzielle Unterstützung benötigt, kann dabei sehr gut auf einen Studien- oder Bildungskredit zurückgreifen.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Die genannten medizinischen Studienprogramme der kroatischen Universitäten folgen dem Bologna-Abkommen, sodass Studienleistungen entsprechend des einheitlichen ECTS- Punktesystems eingeordnet und bewertet werden können. Erbrachte Abschlüsse sowie eine erfolgte Approbation werden damit vollständig im Europäischen Raum und somit natürlich ebenso in Deutschland anerkannt. Durch einen Studienabschluss in Kroatien besitzen Absolvent/-innen zudem ideale Voraussetzungen für eine internationale Karriere, da sie hiermit neben fachlichen Kompetenzen außerdem vertiefte Sprachkenntnisse nachweisen können.

Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums in Kroatien

Vorteile

  • Studienangebot in englischer Sprache
  • hohes Niveau der Studieninhalte
  • verhältnismäßig geringe Kosten für Studium und „Studentenleben“
  • internationale Anerkennung von Studienleistungen und Vertiefung von (fachlichen) Sprachkenntnissen (besonders Englisch)
  • Lebensqualität durch eine wunderschöne Umgebung und vielfältige Kultur

Nachteile

  • Nachweis von Sprachkenntnissen erforderlich, auch Kroatisch zum Teil notwendig, um Approbation zu erhalten
  • zum Teil hohe Anforderungen im Zulassungsverfahren (Eignungstest)
  • begrenzte Anzahl an Studienplätzen für ausländische Studierende

Fazit zum Medizinstudium in Kroatien

Kroatien wird als Universitätsstandort von Studierenden, die eine Alternative zu zahlreichen Wartesemestern aufgrund ihres in Deutschland für ein Medizinstudium nicht ausreichenden Notendurchschnitts suchen, leider noch immer unterschätzt. Dabei bieten die Universitäten in Split, Zagreb und Rijeka erstklassige und international anerkannte Ausbildungen auf hohem Niveau und dazu noch die Möglichkeit, fachliche Sprachkenntnisse zu vertiefen und so auch einer internationalen Karriere den Weg zu bahnen. Hier finden entsprechende Kurse zwar überwiegend in englischer Sprache statt, allerdings sind auch Kenntnisse der Landessprache unverzichtbar. Ein Medizinstudium in Kroatien sollte demnach für all diejenigen interessant sein, welche neben der medizinischen auch eine sprachliche Affinität besitzen und sich nach einer hohen Lebensqualität – an der Adria – sehnen.

Universitäten in Kroatien mit Medizin-Studienplätzen

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