Medizinstudium in Lettland

Um in Deutschland ein Medizinstudium beginnen zu können, ist noch immer ein sehr guter Notendurchschnitt im Abitur nötig. Der sogenannte Numerus Clausus liegt je nach Bundesland beispielsweise bei 1,2 oder sogar 1,0. Können Abiturient/-innen einen solchen Durchschnitt nicht vorweisen, gestaltet sich die Zulassung zum Medizinstudium entsprechend als schwer beziehungsweise drohen zahlreiche Wartesemester.

Wer jedoch trotzdem keine Zeit verschwenden und direkt im Anschluss an das Abitur ein Medizinstudium aufnehmen möchte, hat die Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Zahlreiche Universitäten in Europa (und darüber hinaus) bieten mittlerweile anerkannte Studiengänge in englischer Sprache an. Dazu gehört auch Lettland. Hier haben ausländische Studierende im Vergleich zu anderen Universitäten im Ausland sogar sehr hohe Chancen, zugelassen zu werden. Zudem sind die lettischen Universitäten für ihre gute Ausbildung bekannt.

Lettland hat eine Fläche von gerade einmal rund 64 km², auf welcher etwa 2 Millionen Einwohner zuhause sind. Hier bieten zahlreiche Schlösser und Burgen sowie die kilometerlangen und sehr sauberen Strände malerische Kulissen zum Staunen und Erholen. Da die lettischen Städte wie auch das Land außerdem stark an typische norddeutsche Regionen erinnern, sollten sich neue Studierende recht schnell zurechtfinden und einleben können.

Studienaufbau des Medizinstudiums in Lettland

Das lettische Sommersemester beginnt regelmäßig im Februar. Der Bewerbungszeitraum erstreckt sich hierfür üblicherweise vom 1. September bis zum 1. Dezember. Dagegen beginnt das lettische Wintersemester Ende August. Hier ist eine Bewerbung für gewöhnlich zwischen dem 1. April und dem 1. Juli möglich.

Das Medizinstudium in Lettland ähnelt dabei stark dem Medizinstudium in Deutschland. Auch hier werden im Rahmen des Vorklinikums die üblichen Fächer wie Anatomie, Biochemie, Chemie und Physik gelehrt. Dabei setzen sich die Studierendengruppen in der Regel aus maximal 10 Personen zusammen. Lehrveranstaltungen werden dabei vor allem von Dozierenden gehalten, welche sich auf ihrem speziellen Gebiet bereits einen Namen machen konnten, und dementsprechend als anerkannte Fachleute gelten.

Im klinischen Teil, der üblicherweise im dritten Jahr beginnt, wird dagegen praktisch – in einer Klinik oder Kliniken – gearbeitet. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten ausländische Studierende unbedingt grundlegende Kenntnisse in der lettischen Sprache erworben haben, um einen entsprechenden Austausch und Kontakt zu Patien/-innen gewährleisten zu können. Hier kann in der Regel schließlich nicht davon ausgegangen werden, dass diese der englischen Sprache grundsätzlich mächtig sind.

Das Medizinstudium in Lettland erstreckt sich über insgesamt sechs Jahre und schließt mit dem akademischen Titel „Medical Doctor“ (MD) ab. Wer über einen frühzeitigen Wechsel nach Deutschland nachdenkt, sollte diesen idealerweise im Anschluss an das Vorklinikum vornehmen. So bleibt genügend Zeit, sich erneut einzuleben und sich auf die anstehende Zwischenprüfung, das Physikum, vorzubereiten. Natürlich ist dabei unbedingt abzuklären, welche (erbrachten) Studienleistungen auch in Deutschland anerkannt werden, sodass Leistungsnachweise nicht ein weiteres Mal gemacht werden müssen.

Zulassungsvoraussetzungen für internationale Studenten

In Lettland besteht zwar kein Numerus Clausus, dennoch sind einige Aspekte zu beachten, um hier für ein Medizinstudium zugelassen werden zu können. Grundvoraussetzung ist beispielsweise auch hier das Abitur oder ein vergleichbarer Abschluss. Natürlich werden Abschlüsse aber nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus anderen europäischen Ländern anerkannt. Für die lettischen Universitäten sind als Zulassungskriterium zudem vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer von großem Interesse. Biologie und Chemie sollten demnach bis in die Oberstufe Teil des eigenen Stundenplans gewesen sein. Auch Physik und Mathematik können jedoch hilfreich für eine positive Bewertung der Bewerbung sein.

Da der Unterricht auf Englisch stattfindet, muss zudem jede/-r Bewerber/-in ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen können. Dafür sind mindestens die Note 2 im Fach Englisch sowie ein Sprachtest notwendig. Nur so kann schließlich auch gewährleistet werden, dass die angehenden Studierenden von Anfang an den Inhalten der Vorlesungen und Seminare folgen können. Durch den sogenannten Europäischen Referenzrahmen werden Sprachfähigkeiten entsprechend verschiedener Stufen eingeteilt. Für die Teilnahme an Lehrveranstaltungen des lettischen Medizinstudiums ist hier mindestens die Stufe B2, besser noch C1 nachzuweisen. B2 bedeutet dabei, dass sich Studierende fließend in der jeweiligen Sprache verständigen und komplexe Inhalte schnell erfassen können.
Das konkrete Aufnahmeverfahren kann zwischen den Universitäten in Lettland variieren. Während Bewerbungen von ausländischen Studierenden an der Riga Stradins University von einem Komitee bewertet werden, ist für die University of Latvia die Teilnahme an einem bestimmten Bewerbungsverfahren notwendig.

Bewerbungsprozess an Unis in Lettland

Auch für die Universitäten in Lettland gelten bestimmte Bewerbungsfristen, die unbedingt eingehalten werden sollten. Weil sich diese im Detail jedoch jedes Jahr ändern können, lohnt sich der Blick auf die jeweiligen Webseiten. Da sich außerdem viele der Universitäten in Form von Studienjahren organisieren, kann das Studium hier meist lediglich ein Mal im Jahr – in der Regel zum Wintersemester – aufgenommen werden. Wer die entsprechende Einschreibefrist versäumt, muss für eine erneute Bewerbung also leider ein Jahr warten. Eine Ausnahme bietet hier jedoch die bei deutschen Studierenden besonders beliebte Riga Stradins Universität. An dieser kann ein Studium auch im Sommersemester aufgenommen werden.

Für die Bewerbung zum Medizinstudium in Lettland sind in der Regel Dokumente wie das Abiturzeugnis, ein Motivationsschreiben, ein ärztliches Attest, der Nachweis über Kenntnisse der englischen Sprache sowie zwei Empfehlungsschreiben notwendig. Am bedeutendsten ist hierbei jedoch das Motivationsschreiben. Dieses sollte keinesfalls leichtfertig verfasst werden. Wichtig ist dabei zu erläutern, warum der oder die Abiturient/-in in Lettland studieren möchte und aus welchem Grund er/ sie sich gerade für die jeweilige Universität entschieden hat. Idealerweise können dabei Bekannte weiterhelfen, die einen solchen Prozess bereits erfolgreich durchlaufen haben. Zudem bieten auch verschiedene Organisationen, die auf Bewerbungsprozesse für ausländische Universitäten spezialisiert sind, Hilfe an. Natürlich wird hierfür jedoch meist eine gewisse Provision fällig mit Ausnahme der Agentur College Contact, die allerdings nur nach Riga vermittelt.

Universitätslandschaft in Lettland

Lettland besitzt sechs staatlich anerkannte Universitäten und weitere 21 der sogenannten „nicht universitären Hochschulen“. Als Universitäten gelten in Lettland dabei ausschließlich diejenigen Hochschulen, welche einen Anteil an promovierten Lehrkräften von mehr als 50 Prozent aufweisen können. Für ausländische Studierende der Medizin kommen in Lettland von diesen sechs Universitäten vor allem die Stradins Universität Riga und die University of Latvia in Riga in Frage.

Hiervon erfreut sich die Stradins Universität Riga (Riga Stradins University Medicine) bei deutschen Studierenden besonderer Beliebtheit, da der Studienplan jenem an deutschen Universitäten sehr ähnelt. Vor allem wer vorrangig den NC umgehen möchte und nach den ersten Semestern einen Wechsel nach Deutschland anstrebt, ist an dieser lettischen Universität sehr gut aufgehoben. An der Stradins Universität Riga lernen etwa 7.700 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen. Davon kommen regelmäßig etwa 1.600 Studierende aus dem Ausland, etwa 40 Prozent hiervon sind Deutsche. Vor allem in den Fachbereichen Medizin und Zahnmedizin konnte sich die Universität jedoch in den letzten Jahren besonders auszeichnen – vor allem auch durch das Angebot von Lehrveranstaltungen in englischer Sprache, welches zahlreiche internationale Studierende anlockt.

Die größte Universität Lettlands ist jedoch die University of Latvia (Latvijas Universitate Medicine). Hier lernen und arbeiten etwa 28.000 Studierende an 13 Fakultäten. Auch an dieser Universität werden die Studiengänge der Human- und Zahnmedizin in englischer Sprache angeboten. Der Gesamtanteil ausländischer Studierender an Universitäten in Lettland beläuft sich dabei anhand des DAAD-Ländersachstands aus dem Jahr 2018 auf 6,21 Prozent. Wichtigste Herkunftsländer sind hierbei Deutschland, Russland, Usbekistan, die Ukraine und Litauen.

Kosten eines Medizinstudiums in Lettland

Für das Studium an den Universitäten in Lettland fallen grundsätzlich Studiengebühren an. Diese betragen in der Regel etwa 12.000 Euro jährlich. Üblich ist beispielsweise an der Riga Stradins Universität aber auch eine Reduktion auf 10.000 Euro im letzten Jahr, sofern das Studium bereits nach fünf Jahren abgeschlossen und dabei eine mindestens ausreichende Note erzielt wurde. Zudem sind in Lettland Verwaltungsgebühren von einmalig 1.500 Euro sowie Kosten für die Einschreibung zu zahlen. Studierende müssen des Weiteren eine Kaution für die Laborausstattung hinterlegen.

Dagegen liegen die Lebenshaltungskosten in Lettland unter jenen in Deutschland. Sparsame Studierende, die außerdem gut wirtschaften können, dürften mit etwa 600 Euro im Monat auskommen. Darin ist die Miete bereits enthalten. Wer sich beispielsweise rechtzeitig um einen Wohnheimplatz bewirbt, kann mit einer Miete zwischen gerade einmal 40 und 100 Euro rechnen. Lediglich direkt in Riga können Mietkosten jedoch auch höher ausfallen. In der Regel liegen diese auf dem privaten Wohnungsmarkt aber dennoch weit unter dem deutschen Preisniveau.

Zudem bietet vor allem Riga beste Fortbewegungsmöglichkeiten per Straßenbahn oder Bus. Diese verkehren in der Regel täglich von 5:30 Uhr bis 23:30 Uhr, wobei ein Ticket gerade einmal 1,15 Euro kostet. Auch das Auto kann hier also getrost stehengelassen werden, sofern überhaupt eines benötigt wird. Auch Flüge nach Lettland (und zurück) sind verhältnismäßig günstig: schon ab etwa 20 – 30 Euro können diese gebucht werden. Sofern außerdem eine Agentur zur Unterstützung des Bewerbungsprozesses beauftragt wurde, fallen natürlich auch hierfür entsprechende Kosten an. Für diejenigen, welche finanzielle Unterstützung benötigen, kann ein Studien- beziehungsweise Bildungskredit durchaus Sinn machen.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Die Abschlüsse der lettischen Universitäten werden in der gesamten Europäischen Union, dem Europäischen Wirtschaftsraum, aber auch den USA und zahlreichen weiteren Ländern anerkannt, da sie an den Bologna-Prozess angepasst wurden. Einer entsprechenden Karriere steht hiermit also nichts im Weg.

Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums in Lettland

Vorteile

  • gute Chancen auf Zulassung
  • hohe Studienqualität und anerkannte Abschlüsse
  • Lehrveranstaltungen in englischer Sprache
  • Wechsel nach Deutschland zum Teil problemlos möglich
  • wunderschöne Umgebung und vielseitige Kultur
  • beliebtes Studienland für ausländische Studierende, vor allem auch Deutsche
  • verhältnismäßig geringe Lebenserhaltungskosten

Nachteile

  • Kenntnisse der lettischen Sprache ab dem 3. Jahr beziehungsweise für den klinischen Teil nötig
  • Nachweis über Kenntnisse der englischen Sprache (mindestens B2 und Note 2 im Abitur) notwendig
  • Studiengebühren

Fazit zum Medizinstudium in Lettland

Wer nach einer echten Alternative zu den drohenden zahlreichen Wartesemstern in Deutschland aufgrund des nicht erreichten NCs sucht, sollte das Medizinstudium in Lettland durchaus in Betracht ziehen. Zahlreiche deutsche Studierende nehmen hier regelmäßig ihr Studium auf und kommen so nicht nur in den Genuss einer wirklich hochwertigen medizinischen Ausbildung, sondern auch der wunderschönen Landschaften und kilometerlangen Küstenstrände. Zudem bietet die Notwendigkeit und Vertiefung englischer Sprachkenntnisse beste Voraussetzungen für eine spätere internationale Karriere.

Universitäten in Lettland mit Medizin-Studienplätzen

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