Medizinstudium in Litauen

Ein Medizinstudium im Ausland kann sich für all jene als attraktive Möglichkeit erweisen, die aufgrund des teilweise sehr strengen Numerus Clausus (NC) in Deutschland keine entsprechende Studienzulassung bekommen. Schließlich wird dabei – je nach Bundesland – teilweise sogar ein Abitur-Notendurchschnitt von 1,0 erwartet. Um den Traum vom Medizinstudium jedoch nicht aufgeben oder zahlreiche Wartesemester in Kauf nehmen zu müssen, bieten sich bereits zahlreiche Studiengänge an ausländischen Universitäten und in englischer Sprache an. So auch in Litauen.

Hier konnte sich das Studienangebot zweier Hochschulen im Bereich Medizin in besonderer Weise für ausländische Studierende etablieren. Litauen ist das südlichste der baltischen Länder und grenzt im Westen an die Ostsee. Neben seinen erholsamen, ruhigen und wunderschönen Landstrichen hat das etwas mehr als 65.000 Quadratkilometer große Land aber auch viel Kultur, lebhafte Städte sowie ein pulsierendes Nachtleben zu bieten und ist bei ausländischen Studierenden im Allgemeinen außerordentlich beliebt. Zudem ähnelt Litauen Deutschland in vielerlei Hinsicht, sodass sich die Eingewöhnung hier als relativ unkompliziert erweisen sollte. Ein zusätzlicher Pluspunkt sind aber auch die verhältnismäßig geringen Lebenshaltungskosten, denn in Litauen kommen Studierende auch mit etwas weniger Budget gut „über die Runden“. Litauen gehört zudem der Europäischen Union an, weswegen hier erlangte Studienabschlüsse in jedem anderen europäischen Land (und darüber hinaus) anerkannt werden. Das Bildungssystem Litauens gilt nicht zuletzt als hervorragend und auch die medizinischen Studiengänge erfreuen sich höchster Qualität, (ausländische) Studierende dürfen sich also über eine erstklassige Ausbildung freuen.

Studienaufbau des Medizinstudiums in Litauen

Das Medizinstudium Litauens ist an das Bachelor-Master-System angepasst und besteht – entsprechend der Umstrukturierungen im Rahmen des Bologna-Prozesses – aus Grund- Aufbau- und postgradualem Studium. Dabei ist der Masterabschluss in der Regel nach fünf bis sechs Jahren zu erreichen. Insgesamt ähnelt das litauische Medizinstudium sehr dem deutschen, es besteht aus einem vorklinischen und einem klinischen Teil. Dabei umfasst der vorklinische Teil vor allem theoretische Grundlagenfächer wie etwa Anatomie, Physiologie und Histologie, während im klinischen Teil beispielsweise Chirurgie und Kardiologie auf dem Stundenplan stehen.

Litauische Hochschulen setzen dabei jedoch sehr auf ein hohes Maß an praktischen Erfahrungen, weshalb die Studierenden vorrangig anhand realistischer Krankheitsbilder und Situationen – meist direkt im Krankenhaus – lernen. Um eine noch bessere Orientierung und Verständigung gewährleisten zu können, gehört zum Pensum der ausländischen Studierenden auch ein Sprachkurs in der Landessprache Litauisch. Da die angehenden Ärzte und Ärztinnen im Rahmen ihres Studiums jedoch meist gezielt in kleineren Gruppen unterrichtet werden, kann hier eine sehr gute Förderung und Betreuung gewährleistet werden.

Wer dagegen beabsichtigt, nach einigen Semestern an eine deutsche Universität zu wechseln – so kann der Numerus Clausus schließlich umgangen werden, da er dann nicht mehr von Bedeutung ist – kann dies im Grunde jederzeit tun. Natürlich sollte hier zunächst geklärt werden, welche der jeweiligen Leistungen auch in Deutschland anrechenbar sind (Voraussetzung für einen Wechsel ist der Anrechnungsbescheid), um zeitintensive Wiederholungen idealerweise zu umgehen. Es empfiehlt sich zudem, möglichst früh zu wechseln, um sich entsprechend auf das in Deutschland notwendige Physikum (die Zwischenprüfung) vorbereiten zu können.

Zulassungsvoraussetzungen für internationale Studenten

An litauischen Universitäten besteht zwar kein Numerus Clausus wie etwa in Deutschland, stattdessen müssen Studienanwärter/-innen hier aber eine schriftliche Zulassungsprüfung (in der Regel in Form eines Multiple-Choice-Tests) bestehen. Im Mittelpunkt stehen dabei typischerweise Kenntnisse aus den Fächern Chemie und Biologie, wobei zu jedem dieser Bereiche 30 Fragen zu beantworten sind. Die Universität Kaunas fragt darüber hinaus aber auch Wissen im Bereich Physik ab. Nötige Lehr- beziehungsweise Lernmaterialien hierfür halten die Hochschulen üblicherweise für ihre Bewerber/-innen bereit. Natürlich können diese jedoch kein tiefgründiges Vorwissen ersetzen. Dennoch gelten die Zulassungstests für litauische Universitäten bei guter Vorbereitung als absolut machbar. Zusätzlich zu diesen fachlichen Eignungstests finden an im Rahmen des Zulassungsverfahrens aber üblicherweise auch persönliche Interviews mit den Bewerber/-innen in englischer Sprache statt. Wer dagegen bereits erfolgreich an einem der sogenannten Scholastic Assessment Tests (SAT) teilgenommen hat, kann sich auch ohne Zulassungsprüfung für einen der begehrten Studienplätze bewerben.

Bewerbungsprozess an Unis in Litauen

Der Bewerbungsprozess für litauische Universitäten ist in der Regel auf zwei verschiedene Arten möglich. Entweder wird dazu ein Eignungstest bei einem hierfür qualifizierten deutschen Institut durchgeführt, welchem sich zudem ein Interview (meist per Skype) mit der jeweiligen Universität anschließt, oder die Bewerbung für die Zulassungsprüfung erfolgt via Internet direkt an eine der litauischen Hochschulen. Je nachdem, welche Universität hier für den/ die Studierende/-n im Speziellen infrage kommt, enden die Bewerbungsfristen im Juni, Juli oder August. Das Studium beginnt dann meist in den ersten Septemberwochen.

Natürlich können für einen möglichst reibungslosen Bewerbungsprozess auch Organisationen beauftragt werden, welche sich auf die Einhaltung von Fristen und Vollständigkeit der notwendigen einzureichenden Bewerbungsunterlagen spezialisiert haben. Wer sich jedoch selbstständig bewerben will, benötigt in der Regel Dokumente wie den Nachweis über die allgemeine Hochschulzulassung, ein Motivationsschreiben, ein oder mehrere Empfehlungsschreiben, eine beglaubigte Kopie des Personalausweises beziehungsweise Reisepasses sowie einen Nachweis über englische Sprachkenntnisse. Wenn vorhanden ist hier natürlich auch die Bescheinigung über den bestandenen SAT-Test beizufügen. Da Bewerbungen ausschließlich zum Wintersemester möglich sind, sollten die angegebenen Fristen unbedingt eingehalten werden. Nähere Informationen dazu bieten die litauischen Universitäten ihren Studierenden sowie Interessierten auf ihren Internetseiten an.

Universitätslandschaft in Litauen

Als zentrale Akteure des litauischen Hochschulwesens gelten aktuell 14 staatliche und acht private Universitäten sowie außerdem die Zweigniederlassung einer ausländischen Universität. Zu den privaten Einrichtungen werden in Litauen aber auch alle Akademien und theologischen Seminare gezählt. Ihnen schließen sich des Weiteren 13 staatliche sowie zehn private Kollegien an. Letztere bieten allerdings ausschließlich Bachelor-Abschlüsse an und arbeiten stärker praxisorientiert, das Studienprogramm besteht hier zu mindestens einem Drittel aus berufspraktischen Einheiten.

Insgesamt bieten in Litauen somit 47 Hochschuleinrichtungen mindestens ein Grundstudium an. Entsprechend des DAAD-Ländersachstandes waren im Jahr 2018 etwa 140.600 Studierende an derartigen Institutionen eingeschrieben. Der Anteil an ausländischen Studierenden belief sich dabei auf 3,54 Prozent. Beliebt war Litauen als Studienland dabei vor allem bei Studenten und Studentinnen aus Belarus, Indien, Nigeria, der Ukraine und Deutschland.

Vor allem zwei litauische Universitäten eignen sich für ausländische Studierende aufgrund ihres Lehrangebotes in englischer Sprache jedoch ganz besonders gut: die Universität Vilnius (Universität Vilnius Medizinstudium) und die Lithuanian University of Health Sciences in Kaunas (Universität Kaunas Medizinstudium). Mit ihren durchschnittlich 21.000 Studierenden zählt die Universität Vilnius zu einer der größten des nördlichen Europas. Sie kann zudem auf über 400 Jahre Geschichte zurückblicken und besitzt eine Bibliothek mit über 5 Millionen (historischen) Büchern. Pro Semester finden sich an der Universität der litauischen Hauptstadt in der Regel fast 1.000 internationale Studierende ein, um die wirklich erstklassige Ausbildung, welche hier geboten wird, genießen zu können.

Die medizinische Universität Kaunas kann dagegen zwar auf keine so lange Geschichte zurückblicken (sie wurde 1922 gegründet), aber auch sie ist bei internationalen Studierenden sehr gefragt. Etwa 6.000 bis 7.000 Studentinnen und Studenten sind hier durchschnittlich eingeschrieben. Die medizinische Universität Kaunas hat dabei nicht nur einen allgemeinmedizinischen Studiengang in ihrem Repertoire, sondern bietet ebenso Studiengänge wie „Odontology“ (Zahnheilkunde), „Pharmacy“ (Pharmazie) „Nursing“ (Krankenschwester) und „Public Health“ (Öffentliches Gesundheitswesen) an.

Kosten eines Medizinstudiums in Litauen

An litauischen Universitäten ist üblicherweise eine Studiengebühr für das Medizinstudium zu entrichten. Diese beträgt je nach ausgewählter Hochschule im Durchschnitt zwischen 10.000 und 12.000 Euro pro Jahr (im Bereich der Allgemeinmedizin beziehungsweise Humanmedizin). Diesen durchaus stattlichen Kosten stehen jedoch durchaus niedrige Lebenserhaltungskosten gegenüber, welche sich im Vergleich zu anderen Studienländern durchaus sehen lassen können. Schätzungsweise 500 Euro werden in Litauen monatlich benötigt, um die üblichen Kosten decken zu können. Unterkünfte werden dabei von den Universitäten zur Verfügung gestellt. Und auch die allgemeinen Kosten für Lebensmittel und Getränke sind in Litauen deutlich geringer als beispielsweise in Deutschland: bis zu 20 Prozent können sich Preise hier schließlich unterscheiden. Litauen beziehungsweise die entsprechenden Universitätsstädte bieten außerdem ein durchaus gut strukturiertes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Kosten berechnen sich dabei in der Regel nach der Fahrtdauer und liegen bei etwa 65 Cent pro 30 Minuten und 90 Cent pro voller Stunde. Allerdings wird in Litauen auch ein Studierendenausweis zur Verfügung gestellt, der zahlreiche Ermäßigungen ermöglicht.

Ebenso die Flüge nach Litauen (und zurück nach Deutschland) sind durchaus erschwinglich. Bereits ab etwa 25 bis 30 Euro werden diese von verschiedenen Fluggesellschaften angeboten. Wer eine Organisation zur Unterstützung des Bewerbungsprozesses beauftragt hat, sollte auch die Kosten hierfür einkalkulieren. Hilfreich kann zur Deckung aller Ausgaben dabei ein Studien- oder Bildungskredit sein, welcher in der Regel durchaus unkompliziert zu beantragen ist.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Da die Studiengänge der Universitäten in Litauen im Zuge des Bologna-Prozesses an allgemeine europäische Richtlinien angepasst wurden, gelten auch die entsprechenden Abschlüsse als international anerkannt. Einer Karriere im Europäischen Raum sowie über dessen Grenzen hinaus steht durch einen solchen Abschluss also nichts im Wege.

Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums in Litauen

Vorteile

  • hohes Ansehen der litauischen Studiengänge durch ebenso angesehenes Bildungssystem
  • Ähnlichkeiten des litauischen Medizinstudiums zum deutschen Medizinstudium, was einen eventuellen Wechsel erleichtert
  • international anerkannte Abschlüsse
  • günstige Lebenserhaltungskosten und Studierendenausweis, der zusätzliche Ermäßigungen bietet
  • tolle Umgebungen, Natur und Kultur bei gleichzeitig belebten Städten

Nachteile

  • relativ striktes Eignungsverfahren, üblicherweise bestehend aus einem Eignungstest und einem Interview in englischer Sprache
  • Nachweis englischer Sprachkenntnisse
  • Studiengebühren

Fazit zum Medizinstudium in Litauen

Litauen hält als Land und als Studienort zahlreiche Möglichkeiten und Chancen für Studierende bereit. Durch die hohe Qualität des litauischen Bildungssystems und die Anpassung der Studiengänge im Sinne des Bologna-Prozesses werden (ausländischen) Studierenden hier zudem international anerkannte Abschlüsse von erstklassiger Güte geboten, die eine Karriere über sämtliche Ländergrenzen hinweg ermöglichen. Wer den für die Zulassung zum Medizinstudium in Deutschland notwendigen NC also nicht erreichen konnte und auf der Suche nach einer Alternative im Ausland ist, sollte Litauen als Studienort durchaus eine Chance einräumen.

Durch seine strukturelle Nähe zu Deutschland ermöglicht Litauen deutschen Studierenden außerdem, sich schnell einzuleben, und bietet gleichzeitig durch eine vergleichsweise hohe Quote an ausländischen Studierenden verschiedener Länder die Chance zum Austausch auf internationaler Ebene und zu entsprechend vielseitigen Möglichkeiten.

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