Studieninhalte im Medizinstudium: Was lernst du im Ausland?
Anatomie, Physiologie, Chirurgie, Innere Medizin: Die Kernfächer eines Medizinstudiums sind weltweit ähnlich. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf das jeweilige Curriculum. Denn die Gewichtung der Fächer, der Zeitpunkt des ersten Patientenkontakts, die Auswahl an Wahlfächern und die Forschungsmöglichkeiten variieren von Land zu Land erheblich. Wer vorab weiß, was auf dem Stundenplan steht, kann sich gezielt vorbereiten und den Studienort wählen, der zu den eigenen Interessen passt.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Fächer und Inhalte dich in der Vorklinik und Klinik erwarten, wie sich klinische Praktika je nach Land unterscheiden und welche Möglichkeiten es für Forschung und frühe Spezialisierung gibt.
Vorklinische Fächer: Das Fundament der Medizin
Die ersten zwei bis drei Studienjahre drehen sich um die naturwissenschaftlichen und medizinischen Grundlagen. Hier baust du das Wissen auf, das du für die gesamte klinische Ausbildung brauchst. Die Fächer sind an den meisten europäischen Universitäten weitgehend identisch, die Tiefe und die didaktische Aufbereitung unterscheiden sich jedoch.
Die wichtigsten vorklinischen Fächer im Detail
| Fach | Inhalte | Typischer Umfang | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Anatomie | Makroskopische Anatomie (Knochen, Muskeln, Organe, Gefäße, Nerven), Präparierkurs am Leichnam, topographische Anatomie | 2–4 Semester, oft das umfangreichste Fach | In Ungarn und Tschechien besonders prüfungsintensiv (mündliche Rigorosa); in UK teilweise stärker auf klinische Bezüge ausgerichtet |
| Physiologie | Funktionsweise von Organsystemen: Herz-Kreislauf, Atmung, Niere, Verdauung, Nervensystem, Endokrinologie | 2–3 Semester | Niederlande: stark fallbasiert durch PBL; Frankreich: Teil des Grundjahres PASS/LAS |
| Biochemie | Stoffwechselwege, Enzyme, Hormone, Molekularbiologie, Genetik | 2–3 Semester | In Bulgarien und Rumänien als Forschungsschwerpunkt einiger Fakultäten ausgebaut |
| Histologie | Mikroskopische Gewebslehre: Epithelgewebe, Binde- und Stützgewebe, Nervengewebe, Organhistologie | 1–2 Semester | Viel Arbeit am Mikroskop; zunehmend digitale Schnittbilder an modernen Fakultäten |
| Medizinische Physik / Biophysik | Strahlenphysik, Optik, Akustik, Biomechanik, Grundlagen der Bildgebung | 1–2 Semester | In Tschechien als Prüfungsfach bei Aufnahmetest relevant; in UK weniger eigenständig unterrichtet |
| Mikrobiologie / Immunologie | Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze; Immunsystem, Abwehrmechanismen | 1–2 Semester | In manchen Ländern (z. B. Russland, Ukraine) schon in der Vorklinik; in Deutschland erst Übergang zur Klinik |
| Medizinische Psychologie / Soziologie | Arzt-Patienten-Kommunikation, Gesundheitspsychologie, Krankheitsverhalten, Medizinethik | 1–2 Semester | In der Schweiz als eigenständiges Modul; in UK stark in PBL-Fälle integriert |
Wann beginnt der Patientenkontakt?
Das ist eine der spannendsten Unterschiede zwischen den Ländern. In Deutschland findet der erste strukturierte Patientenkontakt klassischerweise erst nach dem Physikum (nach dem 4. Semester) statt. Im Ausland sieht das anders aus:
- Großbritannien: Bereits im 1. Jahr besuchen Studierende Allgemeinpraxen und Krankenhäuser. Clinical Skills werden von Anfang an trainiert.
- Niederlande: PBL-Fälle simulieren den Patientenkontakt ab Studienbeginn; ab dem 2. Jahr gibt es Besuche in Lehrpraxen.
- Ungarn (Semmelweis): Ab dem 2. Semester gibt es Kontakt zu Simulationspatienten; ab dem 3. Jahr regelmäßige Klinikbesuche.
- Tschechien: Reformierte Studiengänge an der Karls-Universität integrieren ab dem 2. Jahr erste klinische Bezüge.
- Frankreich: Pflichtpraktika beginnen ab dem 2. Studienjahr; vormittags Klinik, nachmittags Vorlesung.
- Osteuropa allgemein (Polen, Slowakei, Lettland, Litauen): Pflegepraktika in den ersten Sommerferien; klinischer Kontakt ab dem 3. oder 4. Studienjahr.
Für dich relevant: Wenn dir frühzeitiger Praxisbezug und Patientenkontakt besonders am Herzen liegen, schau dir die Studienprogramme in Großbritannien und den Niederlanden genauer an. Dort bist du von Anfang an nah dran am klinischen Alltag.
Klinische Fächer: Vom Grundlagenwissen zur ärztlichen Kompetenz
Ab dem dritten oder vierten Studienjahr wechselst du in die Klinikphase. Jetzt lernst du die großen medizinischen Disziplinen kennen und trainierst ärztliche Fertigkeiten unter Aufsicht. Die Fächer werden an den meisten Universitäten in Blöcken oder Modulen unterrichtet, wobei du alle paar Wochen die Abteilung wechselst.
Kernfächer der klinischen Phase
- Innere Medizin: Das größte klinische Fach. Kardiologie, Gastroenterologie, Pneumologie, Nephrologie, Endokrinologie und Hämatologie werden in aufeinanderfolgenden Blöcken behandelt. Dauer: typischerweise 2 bis 4 Monate.
- Chirurgie: Von der Appendektomie bis zur Herztransplantation. Du lernst chirurgische Grundtechniken, assistierst im OP und übst das Nähen an Modellen. Dauer: 2 bis 3 Monate.
- Pädiatrie: Kinderkrankheiten, Neonatologie, Impfungen, Entwicklungsstörungen. In vielen Ländern ein eigener Block von 4 bis 8 Wochen.
- Gynäkologie und Geburtshilfe: Schwangerschaftsvorsorge, Entbindung, gynäkologische Tumoren, Reproduktionsmedizin.
- Neurologie: Schlaganfall, Epilepsie, Multiple Sklerose, Parkinson, Kopfschmerzen. Eng verknüpft mit Neuroanatomie aus der Vorklinik.
- Psychiatrie: Depression, Schizophrenie, Angststörungen, Suchterkrankungen. In UK und den Niederlanden oft mit PBL-Elementen kombiniert.
- Pharmakologie: Arzneimittelwirkungen, Nebenwirkungen, Interaktionen. Begleitet die gesamte Klinikphase als Querschnittsfach.
- Notfallmedizin: Reanimation, Traumaversorgung, Triagierung. In den USA und UK besonders stark gewichtet.
- Radiologie: Bildgebende Diagnostik mit Röntgen, CT, MRT, Ultraschall. Zunehmend auch KI-gestützte Bildanalyse.
- Dermatologie, HNO, Augenheilkunde, Orthopädie, Urologie: Kleinere Fächer, die je nach Land als eigene Blöcke oder in integrierte Module eingebettet sind.
Querschnittsfächer und interdisziplinäre Module
Neben den klassischen Disziplinen gibt es Fächer, die mehrere Bereiche verbinden:
- Pathologie: Krankheitslehre auf Gewebe- und Zellebene. Brücke zwischen Vorklinik und Klinik.
- Rechtsmedizin: Forensik, Toxikologie, ärztliches Recht.
- Epidemiologie und Public Health: Gesundheitswissenschaften, Statistik, Prävention. In den Niederlanden und Großbritannien besonders stark vertreten.
- Palliativmedizin und Schmerztherapie: In vielen Ländern mittlerweile Pflichtfach.
- Arbeits- und Umweltmedizin: Berufsbedingte Erkrankungen, Prävention am Arbeitsplatz.
- Medizinethik: Patientenautonomie, Sterbehilfe, Organspende, Datenschutz. In Großbritannien und der Schweiz als eigenständiges Modul.
Klinische Praktika: Famulaturen, Pflegepraktika und Rotationen
Die Theorie allein macht noch keinen Arzt. Klinische Praktika sind das Herzstück der Ausbildung. Hier lernst du Anamnese, körperliche Untersuchung, Befundinterpretation und Teamarbeit im Klinikalltag. Wie viel Praxis du bekommst, hängt stark vom Studienland ab.
Praktikumsformen im Vergleich
| Praktikumstyp | Beschreibung | Wann? | Typische Länder |
|---|---|---|---|
| Pflegepraktikum | Grundpflege, Patientenkontakt, Arbeitsabläufe auf Station kennenlernen | 1.–2. Studienjahr (Semesterferien) | Deutschland (3 Monate Pflicht), Ungarn, Tschechien, Polen, Slowakei |
| Famulatur | Ärztliche Tätigkeiten unter Aufsicht: Anamnese, Untersuchung, Assistenz bei Eingriffen | Ab 3.–4. Studienjahr (vorlesungsfreie Zeit) | Deutschland (120 Tage Pflicht), Ungarn, Tschechien, Polen, Italien |
| Klinische Rotationen | Blockweise Mitarbeit auf verschiedenen Stationen (Innere, Chirurgie, Gyn, Pädiatrie etc.) | Ab 4.–5. Jahr, fest im Curriculum | UK (Placements), NL (Coschappen), USA (Clerkships), Frankreich (Externat) |
| Electives / Wahlpraktika | Frei wählbare Praktika in einem Fach oder Land deiner Wahl | Letztes Studienjahr | UK, USA, teils Niederlande |
Wie unterscheiden sich die Praktika konkret?
In Frankreich verbringst du ab dem zweiten Studienjahr jeden Vormittag in der Klinik. Nachmittags folgen Vorlesungen oder Selbststudium. Dieses System (Externat) sorgt dafür, dass du kontinuierlich Praxiserfahrung sammelst, statt sie in einzelne Blöcke zu packen. Französische Medizinstudierende haben am Ende des Studiums oft mehr klinische Stunden als ihre Kommilitonen in anderen Ländern.
In Großbritannien rotierst du ab dem dritten Jahr durch verschiedene Abteilungen (Placements). Jede Rotation dauert 4 bis 10 Wochen. Dazu kommen die sogenannten Electives: frei wählbare Praktika, die viele Studierende nutzen, um Erfahrungen im Ausland zu sammeln.
In den Niederlanden heißen die klinischen Rotationen „Coschappen" und nehmen die gesamten drei Master-Jahre ein. Du arbeitest in Lehrkrankenhäusern mit und wirst von einem Tutor betreut. Die Coschappen sind streng getaktet: Alle paar Wochen wechselst du das Fach.
In Ungarn und Tschechien finden Pflegepraktika in den ersten Sommerferien statt (typischerweise 2 bis 4 Wochen). Ab dem 4. oder 5. Jahr kommen klinische Rotationen hinzu. Im letzten Studienjahr steht ein intensives Praxisjahr an, in dem du durch alle Hauptfächer rotierst.
In Polen ist das Praktische Jahr (Staz) mit 13 Monaten besonders lang. Es umfasst Rotationen durch Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie und weitere Fächer, ergänzt durch ein Wahlfach.
Tipp für die Anerkennung: Für die deutsche Approbation brauchst du mindestens 8 bis 12 Monate praktische Ausbildung im Krankenhaus. Prüfe frühzeitig, ob dein Studiengang im Ausland diese Anforderung erfüllt. Die Voraussetzung ist in der Regel bei allen EU-akkreditierten Studiengängen gegeben.
Wahlfächer und Spezialisierungsmöglichkeiten
An vielen Universitäten im Ausland kannst du schon während des Studiums Schwerpunkte setzen. Das Angebot an Wahlfächern variiert stark: Manche Fakultäten bieten nur ein bis zwei Wahlmodule, andere ein breites Spektrum.
Typische Wahlfächer im Medizinstudium
- Tropenmedizin / Global Health: Besonders in Großbritannien und den Niederlanden beliebt. Die London School of Hygiene and Tropical Medicine ist weltweit führend in diesem Bereich.
- Medizinische Informatik / Digital Health: Zunehmend an modernen Fakultäten, vor allem in den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz.
- Gesundheitsökonomie: Wie funktionieren Gesundheitssysteme? Was kosten Therapien? Relevanter denn je angesichts steigender Gesundheitsausgaben.
- Sportmedizin: Leistungsdiagnostik, Verletzungsprävention, Rehabilitation. An Universitäten mit Sportfakultät oft als Wahlfach möglich.
- Onkologie / Hämatologie: Vertiefung in Tumorbiologie und Krebstherapie, oft verbunden mit Forschungsprojekten.
- Medizinethik und Medizinrecht: In der Schweiz und Großbritannien als eigene Module, in anderen Ländern in Querschnittsfächer integriert.
- Genetik / Molekularmedizin: An forschungsstarken Universitäten (z. B. Karls-Universität Prag, Semmelweis Budapest) als Vertiefungsmodul.
Wann kannst du dich spezialisieren?
Die eigentliche medizinische Spezialisierung findet in Europa grundsätzlich erst nach dem Studium statt, in Form einer mehrjährigen Facharztweiterbildung. Trotzdem gibt es Unterschiede darin, wie früh du dich orientieren kannst:
- In Großbritannien kannst du ein optionales „Intercalated Year" einlegen, in dem du ein BSc in einem Fach deiner Wahl abschließt (z. B. Neuroscience, Immunology, Public Health). Das verlängert das Studium um ein Jahr, gibt dir aber einen Forschungsabschluss.
- In den Niederlanden wählst du im Master-Teil einen sogenannten Profilierungsbereich, der deine Coschappen in eine bestimmte Richtung lenkt.
- In Frankreich erfolgt die Spezialisierung über das Internat, das nach einem nationalen Ranking vergeben wird. Je besser dein Prüfungsergebnis, desto mehr Auswahl hast du bei Fach und Standort.
- In Spanien funktioniert das System ähnlich: Nach dem Studium legst du die MIR-Prüfung (Médico Interno Residente) ab und wählst dann dein Fachgebiet.
- In Ungarn, Tschechien, Polen und den meisten osteuropäischen Ländern beginnt die Facharztweiterbildung direkt nach dem Staatsexamen.
Forschung während des Studiums
Für viele angehende Ärztinnen und Ärzte ist die Forschung ein zentraler Bestandteil ihrer Ausbildung. Ob du bereits während des Studiums publizieren, im Labor arbeiten oder an klinischen Studien mitwirken kannst, hängt stark vom Studienort ab.
Forschungsmöglichkeiten nach Ländern
| Land | Forschung im Studium | Doktorarbeit | Forschungsschwerpunkte (Beispiele) |
|---|---|---|---|
| Deutschland / Österreich | Dr. med. / Dr. med. univ. parallel zum Studium möglich | Ja, meist während der Klinikphase begonnen | Je nach Uni sehr breit: Onkologie, Kardiologie, Neurowissenschaften |
| Großbritannien | Intercalated BSc (optionales Forschungsjahr) | Erst nach dem Studium (PhD) | Immunologie, Genomics, Epidemiologie (z. B. Oxford, Cambridge, UCL) |
| Niederlande | Forschungsprojekte im Master; Research Master als Option | Nach dem Studium (MD/PhD-Programme) | Public Health, Onkologie, Neuroscience (Leiden, Groningen) |
| USA | Laborarbeit neben Medical School; Summer Research Programs | MD/PhD-Programme (7–8 Jahre) | Molekularbiologie, Genetik, Pharmaforschung (Harvard, Johns Hopkins, Stanford) |
| Schweiz | Dr. med. parallel zum Studium an Unikliniken | Ja, oft in separaten Forschungsprogrammen | Immunologie, Kardiologie, Stammzellforschung (ETH Zürich, Uni Bern) |
| Ungarn | Studentische Forschungsgruppen (TDK); Labormitarbeit möglich | Nach dem Studium oder begleitend | Pharmakologie, Neuroanatomie (Semmelweis, Debrecen) |
| Tschechien | Zusammenarbeit mit Akademie der Wissenschaften | MUDr. als Studienabschluss; PhD separat | Genetik, Onkologie, Molekularbiologie (Karls-Universität) |
| Italien | Laborprojekte an Unikliniken; studentische Mitarbeit | Nach dem Studium (Specializzazione + PhD) | Onkologie, Kardiologie, Transplantationsmedizin (Mailand, Rom, Bologna) |
| Frankreich | Forschung an CHU (Centre Hospitalier Universitaire) | Thèse d'exercice als Pflicht; PhD optional | Klinische Studien, Immunologie, Infektiologie (Paris, Lyon) |
| Polen / Rumänien / Bulgarien | Aufstrebend; studentische Projektgruppen, teils internationale Kooperationen | Nach dem Studium | Pharmakologie, Molekularbiologie, Public Health |
Wenn Forschung für dich Priorität hat, sind Großbritannien, die Niederlande, die Schweiz und die USA die stärksten Standorte. In Osteuropa wachsen die Forschungsmöglichkeiten, sind aber noch nicht auf dem Niveau westeuropäischer Spitzenuniversitäten. An der Semmelweis Universität in Budapest gibt es allerdings das TDK-System (Tudományos Diákkör), das Studierenden bereits ab dem zweiten Jahr den Einstieg in die Forschung ermöglicht.
Curriculum-Vergleich: Welche Fächer gibt es wann?
Die folgende Tabelle zeigt dir auf einen Blick, wie die Curricula in den beliebtesten Studienländern aufgebaut sind. Die Fächeraufteilung bezieht sich auf englischsprachige Programme, sofern vorhanden.
| Land | Vorklinik (typische Fächer) | Klinik (typische Fächer) | Klinische Praktika | Wahlfächer / Forschung |
|---|---|---|---|---|
| Ungarn | Anatomie, Histologie, Biochemie, Physiologie (2 Jahre) | Innere, Chirurgie, Gyn, Pädiatrie, Neuro, Notfall (3 Jahre + 1 Praxisjahr) | Pflegepraktikum ab 1. Sommer; Rotationen ab 4. Jahr | TDK-Forschung; Wahlfächer in höheren Semestern |
| Tschechien | Anatomie, Physio, Biochemie, Biophysik (3 Jahre) | Innere, Chirurgie, Pädiatrie, Pathologie (3 Jahre mit Praxisjahr) | Famulaturen in Sommermonaten; Rotationen an Uni-Kliniken | Forschung mit Akademie der Wissenschaften; Genetik, Onkologie |
| Polen | Anatomie, Biophysik, Biochemie, Histologie (2 Jahre) | Innere, Chirurgie, Pädiatrie, Gyn, Notfall (3 Jahre + Staz) | Pflegepraktikum in Ferien; Famulaturen in Uni-Kliniken | Aufstrebende Forschung; Wahlfächer an größeren Unis |
| Niederlande | Naturwiss. Grundlagen + PBL-Fälle (3 Jahre Bachelor) | Klinische Disziplinen, interdisziplinäre Module (3 Jahre Master) | Coschappen (streng getaktete Rotationen im Master) | Research Master möglich; Wahlfächer: Global Health, Ethik, Informatik |
| Großbritannien | Anatomie, Physio, Biochemie + PBL (2–3 Jahre) | Innere, Chirurgie, Gyn, Pädiatrie, Psychiatrie (2–3 Jahre) | Placements in Lehrkrankenhäusern; Electives im letzten Jahr | Intercalated BSc (Forschungsjahr); breite Wahlfächer |
| Italien | Anatomie, Biochemie, Histologie, Physio (2–3 Jahre) | Innere, Chirurgie, Neuro, Gyn (3–4 Jahre) | Famulaturen an Uni-Kliniken; Pflegepraktika variabel | Laborprojekte an Mailand, Rom, Bologna; Wahlfächer im IMAT-Programm |
| Frankreich | PASS/LAS: Anatomie, Physio, Chemie, Biophysik (1 Jahr) | Innere, Chirurgie, Pharmakologie, Radiologie, Derm (ab 2. Jahr) | Pflichtpraktika ab 2. Jahr; Rotationen in Uni-Kliniken (Externat) | Forschung an CHU; Spezialisierung im Internat nach dem Studium |
| Schweiz | Anatomie, Histologie, Physio, Biochemie, med. Soziologie | Innere, Chirurgie, Pädiatrie, Gyn, Neuro + Wahlpflichtmodule | Pflichtpraktika in Uni-Kliniken und kantonalen Spitälern | Dr. med. parallel; Forschung an Bern, Zürich, Basel |
| Österreich | Anatomie, Biochemie, Physio (2 Jahre) | Innere, Chirurgie, Gyn, Radiologie (3 Jahre + KPJ) | Famulaturen Pflicht; Pflegepraktika vor Klinikphase | Dr. med. univ. während Studium; Forschung an MedUni Wien, Graz |
| Bulgarien | Anatomie, Histologie, Physio, Biochemie (2–3 Jahre) | Innere, Chirurgie, Pädiatrie, Gyn, Radiologie, Orthopädie | Famulaturen über Studium verteilt; Pflegepraktikum am Anfang | Forschung in Pharmakologie, Biochemie; begrenzte Wahlfächer |
Besonderheiten einzelner Länder
Das französische System: PASS, LAS und Internat
Frankreich hat ein einzigartiges Modell. Im ersten Jahr (PASS oder LAS) lernst du gemeinsam mit Pharmazie-, Zahnmedizin- und Hebammenstudierenden. Am Ende des Jahres entscheidet eine hochkompetitive Prüfung, wer weiterstudieren darf. Die Durchfallquote liegt bei 60 bis 80 Prozent. Wer besteht, hat danach einen relativ sicheren Weg: Die klinischen Jahre sind stark praxisorientiert, und die eigentliche Spezialisierung im Internat bietet exzellente Weiterbildungsmöglichkeiten an universitären Krankenhäusern (CHU).
Das britische Intercalated Year
Viele britische Medical Schools bieten die Möglichkeit, nach dem zweiten oder dritten Jahr ein zusätzliches Forschungsjahr einzulegen. Dabei schließt du einen BSc ab, zum Beispiel in Neuroscience, Pharmacology oder Global Health. Das Intercalated Year verlängert zwar die Gesamtdauer auf sechs bis sieben Jahre, verschafft dir aber einen Wettbewerbsvorteil bei der Bewerbung um Facharztausbildungsplätze (Specialty Training).
Die ungarische Rigorosum-Tradition
An ungarischen Universitäten wie Semmelweis wirst du am Ende jedes Semesters mündlich geprüft. Du ziehst ein Thema und musst es vor dem Prüfer frei erklären. Das klingt stressig und ist es auch. Gleichzeitig zwingt dich dieses System, den gesamten Stoff wirklich zu durchdringen, statt nur für Multiple-Choice-Klausuren auswendig zu lernen.
US-Clerkships und der lange Weg zum MD
In den USA absolvierst du nach einem vierjährigen Bachelor zunächst zwei Jahre theoretische Ausbildung an der Medical School (Preclinical Years), gefolgt von zwei Jahren Clerkships (Clinical Rotations). Die Clerkships umfassen Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie, Gynäkologie und Psychiatrie als Pflichtrotationen plus Wahlfächer. Nach dem MD folgt die Residency (3 bis 7 Jahre), in der die eigentliche Spezialisierung stattfindet.
So wählst du das richtige Curriculum für dich
Bei der Entscheidung für ein Studienland solltest du dir drei Fragen stellen:
- Wie lerne ich am besten? Bevorzugst du strukturierte Vorlesungen (Osteuropa, Frankreich) oder eigenständiges Arbeiten in Kleingruppen (Niederlande, UK)?
- Wie früh will ich Praxiserfahrung? Wenn dir früher Patientenkontakt wichtig ist, schau dir Großbritannien, die Niederlande oder Frankreich an. In Osteuropa beginnt die intensive Praxis typischerweise erst ab dem 3. oder 4. Jahr.
- Interessiert mich Forschung? Wenn ja, sind Großbritannien (Intercalated Year), die Niederlande (Research Master), die Schweiz und die USA die stärksten Optionen. In Osteuropa gibt es Forschungsmöglichkeiten, aber das Angebot ist weniger strukturiert.
Unabhängig vom Studienort gilt: Alle EU-akkreditierten Medizinstudiengänge bereiten dich auf die gleiche ärztliche Grundqualifikation vor. Die Unterschiede liegen im Wie, nicht im Was. Ob du an der Semmelweis Universität in Budapest oder an der Universität Groningen studierst, am Ende bist du Ärztin oder Arzt mit einem in der EU anerkannten Abschluss.
Detaillierte Informationen zu Zulassungsvoraussetzungen und zum Studienablauf findest du in unseren weiteren Ratgebern. Und wenn du noch Fragen hast, steht dir unsere Studienberatung gern zur Verfügung.

