Medizinstudium in Rumänien

Für viele deutsche Abiturienten und Abiturientinnen scheitert der Traum vom Medizinstudium regelmäßig an dem für eine Zulassung notwendigen Numerus clausus, welcher je nach Bundesland auf einen Notendurchschnitt von 1,2 oder sogar 1,0 festgelegt sein kann. Interessierten, die schlechter abgeschnitten haben, drohen dann zahlreiche Wartesemester oder es bleibt ihnen der Weg zum Traumstudium verwehrt – zumindest in Deutschland.

Wer weder warten noch sein Ziel, Medizin zu studieren, aufgeben will, hat nämlich durchaus die Chance, den Medizin-Abschluss im Ausland zu machen. Innerhalb Europas bieten sich dafür zahlreiche Länder an. Eines davon ist Rumänien, das Land an der Grenze zwischen Mittel- und Südosteuropa. Hier leben verteilt auf etwa 238.000 km² Fläche rund 20 Millionen Einwohner. Das demnach eher weniger dicht besiedelte Land bietet damit weite, unberührte und malerische (Berg-)Landschaften sowie grüne Wiesen und Abgeschiedenheit auf der einen, aber auch ein pulsierendes Stadtleben (beispielsweise in Bukarest) samt eindrucksvoller, architektonischer Bauten und zahlreicher Einkaufsmöglichkeiten auf der anderen Seite.

Rumänien gilt dabei noch immer als eines der günstigsten Studienländer für jene, die aufgrund des Numerus Clausus nach Alternativen zum Studium in Deutschland beziehungsweise den zahlreichen Wartesemestern suchen, und hat sich in den letzten Jahren außerdem für Urlauber zu einem echten Geheimtipp entwickelt. Es lohnt sich also durchaus, dem zunächst unscheinbar wirkenden Land eine Chance zu geben.

Studienaufbau des Medizinstudiums in Rumänien

Das Medizinstudium in Rumänien erstreckt sich in der Regel über sechs Jahre. Ein Studienjahr besteht dabei aus zwei Semestern und beginnt üblicherweise im Oktober. Zunächst erfolgt hier ein zweijähriger vorklinischer Studienabschnitt, nachdem jedoch keine separate Zwischenprüfung abgelegt werden muss. Unterrichtet werden in diesem Zeitraum beispielsweise Bioethik und -Physik, Anatomie, Zellbiologie, Verhaltenswissenschaften, Kommunikation, Sport und Informatik. Daran schließen sich sehr praxisorientierte, klinische Semester an, sodass bereits ab dem dritten Studienjahr ein regelmäßiger Patient/-innenkontakt gegeben ist. Der Unterricht findet in höheren Semestern dann meist in Gruppen von etwa 15 Studierenden sowie direkt im Krankenhaus statt. Interessant ist das Medizinstudium in Rumänien für deutsche Bewerber/-innen aber vor allem auch deshalb, weil die Lehrveranstaltungen hier in Englisch und/ oder Französisch angeboten werden. Um jedoch den Patient/-innen im Rahmen der praktischen Semester gerecht werden zu können, steht außerdem Rumänisch, welches dem Italienischen sehr ähnelt, jedoch auch slawische Einflüsse hat, auf dem Stundenplan.

Kritisiert wird am rumänischen Medizinstudium vorrangig die teilweise sehr strenge Anwesenheitspflicht. Studierenden, die Vorlesungen und/ oder Seminaren fernbleiben, droht hier sogar kleine Geldstrafen. Häufen sich die Fehlzeiten, kann außerdem der Ausschluss von notwendigen Prüfungen erfolgen. Dagegen ist vor allem die frühe praktische Erfahrung im Verlauf des Studiums als deutlicher Vorteil zu bewerten.

Zulassungsvoraussetzungen für internationale Studenten

Um zu einem Medizinstudium in Rumänien zugelassen zu werden, benötigen Studienanwärter/-innen aus Deutschland wie üblich die allgemeine Hochschulreife und zusätzlich dazu einen Nachweis über ihre sprachliche Eignung (meist das Sprachzertifikat TOEFL). Von Bedeutung sind außerdem in der Regel gute bis mittlere Abiturnoten in den Fächern Chemie und Biologie.

Die rumänischen Hochschulen können ihre Zulassungsverfahren selbst gestalten, dementsprechend führen einige von ihnen zusätzlich Eignungstests durch. Da inzwischen zahlreiche Bewerber/-innen versuchen diesen Weg zu gehen und das Angebot an Studienplätzen mittlerweile nicht mehr ausreicht, besteht jedoch keine Garantie, einen solchen auch tatsächlich zu erhalten.

Bewerbungsprozess an Unis in Rumänien

Sämtliche der rumänischen Hochschulen verlangen verhältnismäßig umfangreiche Bewerbungsunterlagen, welche zum Teil ins Englische oder Rumänische übersetzt und zusätzlich notariell beglaubigt (vor allem Geburtsurkunde und Schulzeugnisse, etc.) sein müssen. Zudem wird ein standardisierter beziehungsweise anerkannter Sprachnachweis für Englisch oder Französisch gefordert, der belegt, dass die Bewerber/-innen auch in der Lage sind, dem Stoff zu folgen. Genauere Angaben sowie entsprechende verbindliche Formulare bieten die Universitäten auf ihren Webseiten sowie zum Teil auch auf ihren Facebookseiten an.

Am bedeutendsten ist für die Zulassung zum Medizinstudium in Rumänien wohl aber das Motivationsschreiben. Darin sollten die wesentlichen Beweggründe für die Entscheidung zu einem Studium an der ausgewählten Uni eindrucksvoll herausgestellt werden. Ob eine Zulassung zum Medizinstudium in Rumänien erfolgt, wird dann von einem entsprechenden Komitee erwogen. Sollte die Wunsch-Universität in Rumänien zusätzlich einen Eignungstest erforderlich machen, werden im Rahmen dessen dann meist Wissen zum menschlichen Körper sowie logisches Denken geprüft. In der Regel folgt anschließend daran zuletzt noch ein mündliches Gespräch, um die Sprachfertigkeit der/ des Bewerber/-in entsprechend prüfen zu können.

Da das Bewerbungsverfahren für ein Medizinstudium in Rumänien als sehr streng gilt und die Vollständigkeit der notwendigen Unterlagen hierfür zwingend erforderlich ist, haben sich bereits einige Agenturen darauf spezialisiert, Interessierte hierbei gegen eine bestimmte Gebühr zu unterstützen. Die beste Chance bietet wohl aber eine persönliche Vorstellung und Bewerbung vor Ort. So können wesentliche Voraussetzungen und Fragen direkt mit den jeweils Zuständigen geklärt werden. Zudem sind die Preise für Übersetzungstätigkeiten in Rumänien wesentlich günstiger. Natürlich lohnt es sich hierfür auch immer entsprechende Foren aufzusuchen, um in Austausch mit bereits erfahrenen Studierenden zu gelangen.

Universitätslandschaft in Rumänien

Rumänien besitzt insgesamt 97 Hochschuleinrichtungen, von welchen wiederum 56 staatlicher und 41 privater Natur sind. Vier dieser privaten Hochschulen arbeiten lediglich mit provisorischen Genehmigungen vonseiten des rumänischen Bildungsministeriums, die übrigen 37 sind akkreditiert. „Volluniversitäten“, welche alle Fächer an einem Standort anbieten, sind in Rumänien (sowie in anderen osteuropäischen Ländern auch) dabei nicht verbreitet. Vielmehr haben sich die meisten Hochschulen auf bestimmte Schwerpunkte beziehungsweise Fachbereiche spezialisiert.

Entsprechend des DAAD-Ländersachstandes 2018 waren im genannten Jahr weit über 500.000 Studierende, davon 4,26 % aus dem Ausland, an rumänischen Universitäten eingeschrieben. Als wichtigste Herkunftsländer für ausländische Studierende haben sich hier Moldawien, Israel, Frankreich, Tunesien und Italien herausgestellt. Für Deutsche kann Rumänien damit noch immer als ein Geheimtipp betrachtet werden, da das Land für sie nicht als typisches Studienland gilt.

Von all den zahlreichen rumänischen Hochschulen erfreuen sich die Universitäten Cluj, Iasi, Timisoara Oradea sowie Carol Davila in Bukarest bei ausländischen Studierenden besonderer Beliebtheit. Sie besitzen allesamt einen medizinischen und pharmazeutischen Schwerpunkt und bieten unterschiedliche Studiengänge – etwa Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie – in englischer und/ oder französischer Sprache an. 

Kosten eines Medizinstudiums in Rumänien

Die Studiengebühren in Rumänien können von Hochschule zu Hochschule variieren, liegen im Durchschnitt aber bei rund 2.500 Euro pro Semester und somit 5.000 Euro im Jahr. Für das gesamte Studium werden dementsprechend etwa 30.000 Euro fällig, wobei private Hochschulen teilweise sogar das doppelte berechnen.

Demgegenüber erweisen sich die Lebenserhaltungskosten in Rumänien als verhältnismäßig gering. Durchschnittlich würden hierfür nach Schätzung des DAAD etwa 400 Euro monatlich anfallen. Die Erfahrungen zahlreicher Absolvent/-innen verdeutlichen jedoch, dass vor allem in den Universitätsstädten teilweise sehr hohe Mietpreise (beispielsweise bis zu 400 Euro für ein WG-Zimmer) verlangt werden, sodass das monatliche Budget doch etwa 700 bis 1.000 Euro umfassen sollte.

Berücksichtigt werden sollten außerdem Kosten für Agenturen, welche den Bewerbungsprozess unterstützen und Provisionen für die erfolgreiche Vermittlung verlangen. Dagegen sind Flüge nach Rumänien (und zurück) jedoch vergleichsweise günstig. Wer für sein Medizinstudium in Rumänien etwas finanzielle Unterstützung benötigt, kann das sogenannte Auslands-BAföG beantragen.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Für gewöhnlich vollenden die meisten Studierenden, welche ihr Studium in Rumänien begonnen haben, dieses auch dort. Da Rumänien seit dem Jahr 2007 zur Europäischen Union gehört, entsprechen die hier erworbenen Abschlüsse auch den europäischen Standards und werden dementsprechend in Deutschland, sämtlichen weiteren EU-Ländern, aber auch den USA anerkannt. Einige Studierende versuchen jedoch trotzdem nach den ersten Semestern an eine deutsche Universität zu wechseln, da sie so das deutsche Zulassungsverfahren umgehen können und der Numerus Clausus dann nicht mehr von Interesse ist. Derartige Bemühungen scheitern jedoch häufig auch daran, dass nur wenige Studienplätze in Deutschland in höheren Semestern frei werden. Grundlegend ist ein solcher Wechsel jedoch durchaus möglich und empfiehlt sich idealerweise nach dem zweiten Semester, um genügend Zeit zur Neuorientierung und Vorbereitung auf das Physikum zu haben. Eine Bewerbung ist hierfür direkt an die gewünschte deutsche Universität zu richten.

Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums in Rumänien

Vorteile

  • mehrere Universitäten, die Studiengänge im Bereich der Medizin in Englisch und Französisch anbieten
  • verhältnismäßig geringe Kosten im Vergleich zu anderen Universitäten im Ausland, die ein Medizinstudium anbieten
  • hohes Maß an Praxiserfahrung durch enge Zusammenarbeit mit Patient/-innen schon in frühen Semestern
  • Anerkennung des Studienabschlusses durch EU-Standards gegeben

Nachteile

  • Studiengebühren
  • relativ strenges und genaues Bewerbungsverfahren
  • sinkende Anzahl an Studienplätzen durch allgemein hohe Bewerber/-innenanzahl aus dem Ausland
  • relativ strenge Regelungen zur Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen und Seminaren

Fazit zum Medizinstudium in Rumänien

Wer sein Medizinstudium direkt aufnehmen und den Numerus Clausus in Deutschland umgehen möchte, kann durchaus in Rumänien seinen Traumstudienort finden. Hier treffen wunderschöne (Berg-)Landschaften und Abgeschiedenheit auf Kultur und Trubel des Stadtlebens. Durch den Unterricht in Englisch oder Französisch, sowie die Teilnahme an Sprachkursen in Rumänisch, werden zudem (fachliche) Sprachkenntnisse erweitert und gefestigt. Für die spätere Tätigkeit als Ärztin oder Arzt kann sich dies als außerordentlich vorteilhaft erweisen. Rumänien bietet sich als Studienort aber besonders für diejenigen an, die wirklich strebsam und zuverlässig an ihrer medizinischen Zukunft arbeiten möchten, da versäumte Stunden hier schnell und verhältnismäßig kostspielig geahndet werden. Darüber hinaus gilt es (noch) als eines der günstigsten Studienländer und bietet Studierenden einen anerkannten Abschluss nach den wesentlichen EU-Standards.

Universitäten in Rumänien mit Medizin-Studienplätzen

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