Medizinstudium in Spanien

Studienplätze in Deutschland gelten für den Fachbereich Medizin als ebenso rar wie begehrt. Hinzukommt hier als Zulassungsvoraussetzung der relativ strenge Numerus Clausus (NC), welcher je nach Bundesland bei 1,2 oder sogar 1,0 liegt und sich so manchen Abiturient/ -innen, die von einem Medizinstudium träumen, in den Weg stellt. Wer den erforderlichen Notendurchschnitt nicht erreicht hat, ist dann gezwungen sich umzuorientieren oder einige Wartesemester zu überbrücken. Eine hervorragende Alternative kann es hier aber auch sein, das gewünschte Studium im Ausland zu absolvieren. Mit hervorragend ausgestatteten Hochschuleinrichtungen und reichlich Sonne lockt beispielsweise Spanien. Hier treffen Lebens- und Ausbildungsqualität in besonderer Weise aufeinander. Nicht nur für Urlauber/ -innen vermag sich Spanien demnach als attraktives Ziel zu enpuppen, sondern auch für diejenigen, die dem deutschen NC entkommen und ohne Wartezeit ihr Medizinstudium aufnehmen möchten.

Nach intensiven Lehrstunden kann hier – je nach Studienort – beispielsweis an den kilometerlangen Mittelmeerstränden oder auch der im Norden gelegenen Atlantikküste – in einem milden Klima – entspannt werden. Im Landesinneren laden zudem mächtige Berge dazu ein, sich körperlich fit zu halten. Und wer sich nach dem klassischen Studierendenleben sehnt, dem bieten die belebten Universitätsstädte ein pulsierendes Nachtleben. Tagsüber locken dagegen zahlreiche faszinierende Altbauten, architektonische Besonderheiten und das Zusammenspiel aus Altertum und Moderne zu einer Besichtigung. Kultur, Natur, Geschichte aber auch kulinarische Spezialitäten zeichnen das Leben in Spanien schließlich besonders aus. Gleichzeitig gelten die Ausstattung der (medizinischen) Universitäten sowie deren Personal als absolut hervorragend. Das sehr praxisorientierte Curriculum bereitet Studierende außerdem optimal auf den Beruf als Arzt/-in vor.

Studienaufbau des Medizinstudiums in Spanien

In Spanien gilt für das Medizinstudium – wie in vielen anderen Ländern auch – eine Regelstudienzeit von sechs Jahren. Hier wird das Studienjahr jedoch für gewöhnlich nicht in Semester untergliedert, sodass auch eine Bewerbung nur jährlich möglich ist. Das akademische Jahr beginnt üblicherweise Ende September und wird Mitte Juni abgeschlossen. Inhaltlich ähnelt das (teilweise) englischsprachige Medizinstudium in Spanien dabei sehr dem deutschen, denn beide gliedern sich in einen vorklinischen und einen klinischen Teil auf. Zum vorklinischen (theoretischen) Curriculum gehören dabei Fächer wie Anatomie, Biologie, Biochemie und Immunologie. Dagegen befassen sich die Studierenden im klinischen Teil ihres Studiums mit praktischeren Tätigkeitsfeldern von Ärzt/ -innen, etwa der Augen- und Frauenheilkunde, Chirurgie, Pädiatrie, Dermatologie und Pathologie.

Klinische Praktika sind ab dem vierten Jahr abzulegen, die spanischen Universitäten legen bei ihren Studierenden dementsprechend großen Wert auf ein hohes Maß an praktischen Erfahrungen. Neben dem üblichen und grundlegenden Wissen im medizinischen Bereich werden aber auch ethische Werte vermittelt und etwaige Problemstellungen betrachtet beziehungsweise diskutiert. Da die internationalen Studierenden in Spanien früh mit Patient/ -innen in Kontakt kommen, um sich auch hier entsprechend angemessene Umgangsformen aneignen zu können, werden für sie außerdem Sprachkurse in Englisch und Spanisch angeboten, welche zum Teil verpflichtend sind.

Da das spanische Medizinstudium an den Bologna-Prozess angeglichen wurde und die Studierenden entsprechend Creditpoints erhalten, können sie sich diese auch vergleichsweise einfach anrechnen lassen, sofern sie an eine deutsche Universität wechseln möchten. Zahlreiche Studierende nutzen diese Möglichkeit schließlich, um den NC zu umgehen, der dann nicht mehr für die Zulassung an einer deutschen Hochschule notwendig ist. Als problematisch erweist sich hierbei des Öfteren eher die Suche nach einem freien Studienplatz, da diese auch in höheren Semestern meist nur sehr rar gesät sind.

Zulassungsvoraussetzungen für internationale Studenten

Zulassungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium in Spanien sind das Abitur und die sogenannte „Selectividad“ – die Zulassungsprüfung für spanische Hochschulen. Auch in Spanien sind Studienplätze im Bereich Medizin schließlich stark umkämpft. Gute Chancen haben dabei vor allem diejenigen, welche als Teil ihres Oberstufencurriculums Biologie und Chemie nachweisen können und die genannte Aufnahmeprüfung mit einer guten bis sehr guten Note bestehen.

Die „Selectividad“ setzt sich beispielsweise für das Medizinstudium an der Universidad Cardenal Herrera aus einem 60-minütigen Multiple Choice-Test auf Englisch sowie einem 15-minütigem Interview auf Spanisch zusammen. Der Multiple Choice-Test umfasst dabei Fragen aus verschiedenen Themenbereichen, darunter Biologie und Chemie aber auch Physik, Mathematik und Allgemeinwissen. Die „Selectividad“ wird darüber hinaus zweimal jährlich von externen Trägern in Deutschland angeboten. Generell ist für sie eine bestimmte Gebühr zu entrichten.

Da das Medizinstudium in Spanien regelmäßig im September beginnt, finden die Zulassungsprüfungen entsprechend einige Monate vorher statt. Die letzten Termine hierfür werden meist im Mai vergeben. Für die Zulassung relevant ist dann die Gesamtnote, zusammengesetzt aus der Abiturnote (60 %) und aus dem Ergebnis der „Selectividad“ (40 %). Einen Numerus Clausus gibt es dementsprechend in Spanien zwar nicht, die Abiturnote kann sich aber sehr auf das Ergebnis des Zulassungsprozesses auswirken.

Bewerbungsprozess an Unis in Spanien

Für ein Medizinstudium in Spanien kann die Bewerbung nur über einen externen Träger erfolgen. Auf deren jeweiligen Internetseiten erfahren Interessierte, welche Unterlagen genau eingereicht und welche Fristen eingehalten werden müssen. Vorzulegen sind für eine vollständige Bewerbung dabei in der Regel das Abiturzeugnis und ein Nachweis über englische sowie spanische Sprachkenntnisse, beispielsweise durch das Cambridge-Zertifikat. Wer ein solches nicht vorweisen kann, hat die Möglichkeit, einen Sprachtest an der entsprechenden Universität zu absolvieren. Wichtig für das einzureichende Abiturzeugnis ist, dass es zunächst in das spanische Notensystem übertragen werden muss. Diesen Service übernimmt beispielsweise die Fernuniversität Universidad Nacional de Educación a Distancia. Hier wird eine sogenannte Credencial ausgestellt, die internationale Studierende für einen Zugang zu spanischen Universitäten berechtigt.

Universitätslandschaft in Spanien

Spanien besitzt insgesamt 84 Universitäten, davon 50 öffentliche und 34 private. All diese Einrichtungen gelten dabei als vollwertige Hochschulen, haben jedoch zum Teil bestimmte Schwerpunkte, wie beispielsweise die Universidades Politécnicas, welche beispielsweisen einen besonderen Fokus auf technische Bereiche legt. Auch Fernuniversitäten sind in Spanien vertreten, zu den wichtigsten gehören die Universidad Nacional de Educación a Distancia (UNED) in Madrid sowie die Universitat Oberta de Catalunya (UOC) in Barcelona.

Vor allem die privaten Hochschulen können in Spanien aber durch internationale Anerkennung und Bekanntheit glänzen: Einen Namen haben sich dabei vor allem die renommierten spanischen Business Schools (beispielsweise die IE Business School Madrid, die IESE Business School Barcelona und die ESADE Barcelona/Madrid) sowie einige Ableger ausländischer Hochschulen (beispielsweise die Schiller International University) machen können.

Ausgehend von den Daten des DAAD-Ländersachstands 2018 waren im selben Jahr 1.963.924 Studierende an spanischen Hochschulen eingeschrieben. Der Anteil an ausländischen Studierenden betrug hierbei rund 2,9 Prozent. Diese kamen vor allem aus den Herkunftsländern Kolumbien, Italien, Peru, Ecuador und Marokko. Zu den spanischen Universitäten, welche ein (teilweise) englischsprachiges Studium der Medizin anbieten, gehören die Universität Madrid (Universidad Complutense Madrid), die Universität Valencia (Universidad Cardenal Herrera) sowie die Universität Barcelona (Universitat De Barcelona).

Die Universität in Madrid zählt dabei zu den besten Privatuniversitäten Europas und ist auch bei internationalen Studierenden sehr beliebt, da hier beispielsweise das Medizinstudium vollständig in englischer Sprache angeboten wird. Der Anteil an internationalen Studierenden liegt an dieser spanischen Hochschule sogar bei rund 10 Prozent. Um all ihren Frage- und Problemstellungen gerecht werden zu können, wurde für die ausländischen Studierenden hier sogar ein englischsprachiges Büro eingerichtet. Doch auch die weiteren Hochschulen, welche ein internationales Studienangebot aufweisen, können durch Qualität und Service glänzen. Eine moderne Ausstattung sowie ein hochwertiges Lehrangebot und bestens ausgebildetes, renommiertes Personal gehören hier zum Standard. Beispielsweise an der privaten Universidad Cardenal Herrera in Valencia können internationale Studierende neben Humanmedizin zudem Pharmazie, Krankenpflege, Zahn- oder Veterinärmedizin studieren.

Kosten eines Medizinstudiums in Spanien

Im Vergleich zu den Studiengebühren anderer Länder sind jene in Spanien als wirklich sehr hoch anzusehen. Jährlich werden hier für ein Medizinstudium etwa 20.000 bis 25.000 Euro fällig. Die genauen Kosten werden zudem von Jahr zu Jahr (meist im Spätsommer) neu festgelegt, außerdem fallen zusätzliche Kosten für Prüfungen an. Einzuplanen sind zudem Provisionen für Vermittlungsagenturen im Bewerbungsprozess. Demgegenüber stehen die im Vergleich zu Deutschland rund 20 Prozent geringeren Lebenshaltungskosten in Spanien.

Hier lassen sich vor allem durch einen Platz im Studierendenwohnheim Kosten einsparen. Bei der Suche nach einem Zimmer helfen die Universitäten in der Regel gern weiter. Die spanischen Studentenwohnheime ähneln dabei eher Jugendherbergen oder Hotels, besitzen meist Mehrbettzimmer und bieten teilweise sogar den Service einer Vollpension. Die Kosten pro Zimmer können sich hier auf 250 bis 500 Euro belaufen. Das WG-Leben gilt in Spanien dagegen eher als eine Seltenheit, da die Kosten hierfür deutlich höher liegen würden.

Auch gutes Essen ist in Spanien recht günstig zu erhalten. Ganze Mahlzeiten werden oft für weniger als 10 Euro angeboten. Auch Super- und Wochenmärkte locken mit vergleichsweise günstigen Preisen. Wer auf ein Auto verzichten kann, hat zudem die Möglichkeit, auf den öffentlichen Nahverkehr auszuweichen. Ein Monatsticket kostet hier durchschnittlich etwa 53 Euro (ohne Ermäßigung). Auch Flüge nach Spanien (und zurück) können relativ günstig angetreten werden. Einige Fluggesellschaften bieten Tickets bereits ab 20 Euro (Last-Minute teilweise sogar unter 20 Euro) an. Finanzielle Unterstützung können deutsche Studierende für ein Medizinstudium in Spanien beispielsweise durch einen Studien- oder Bildungskredit erhalten. Auch das sogenannte Auslands-BAföG kann hier helfen.

Anerkennung von Studienleistungen in Deutschland

Der Abschluss der spanischen Universitäten wird in der gesamten EU, dem EWR, den USA sowie zahlreichen weiteren Ländern anerkannt, da vor allem die internationalen Studiengänge an den Bologna-Prozess angepasst wurden. Mit einem solchen Abschluss stehen den frisch ernannten Ärzten und Ärztinnen also zahlreiche weitere Spezialisierungs- und Karrieremöglichkeiten offen.

Vor- und Nachteile eines Medizinstudiums in Spanien

Vorteile

  • ein Numerus Clausus als Zulassungsvoraussetzung
  • sehr gute Ausstattung der Universitäten und sehr gutes Personal
  • hervorragendes Zusammenspiel aus Ausbildungs- und Lebensqualität
  • internationale Studiengänge, die teilweise ideal an die Bedürfnisse der Studierenden angepasst wurden
  • Vielseitigkeit von Kultur und Natur
  • angemessene Lebenshaltungskosten

Nachteile

  • Zulassungstests notwendig, um an einer Universität aufgenommen zu werden
  • zum Teil Sprachkenntnisse in Spanisch erforderlich für die Zulassung
  • sehr hohe Studiengebühren

Fazit zum Medizinstudium in Spanien

In Spanien vereinen sich Lebensqualität und hochwertige medizinische Ausbildungsmöglichkeiten, welche zudem beste internationale Karriereperspektiven für Studierende bereithalten. Wer eine wirklich hochwertige und weltweit anerkannte medizinische Ausbildung anstrebt und außerdem bereit ist, etwas höhere Kosten dafür auf sich zu nehmen sowie stetig an seinen Sprachkenntnissen zu arbeiten, findet in Spanien also möglicherweise seinen Traumstudienort.

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