Medizinstudium in Großbritannien

Das Medizinstudium in England ist wesentlich praxisbezogener als in Deutschland und Studenten aus England sind gerade im Umgang mit Patienten geübter und souveräner als deutsche Mediziner. Es werden nicht mehr Studenten an die Hochschulen vermittelt, als in den Krankenhäusern auch tatsächlich ausgebildet werden können. Somit wird man als angehender Arzt im Krankenhaus bereits nach zwei Jahren Studium voll in ein Ärzteteam eingespannt, um so die notwendige Erfahrung zu sammeln.

Da in der Philosophie der englischen Medizin die Praxiserfahrung eben besonders groß geschrieben wird, berichten deutsche Studenten oft, dass gerade die leitenden Ärzte sehr darauf bedacht sind ihren Schülern möglichst viel praktisches Wissen zu vermitteln. Klinische Untersuchungen finden immer nach dem gleichen Schema statt, so dass die Studenten schnell eine Routine entwickeln. Manche deutsche Studenten kritisieren am englischen Ausbildungssystem allerdings auch, dass englische Studenten oft nicht über so einen umfassenden theoretischen Hintergrund verfügen.

Grundvoraussetzung für deutsche Bewerber

Jede Uni verlangt natürlich von ihren Studenten, dass sie dem englischsprachigen Unterricht folgen können. Anerkannte Sprachnachweise sind der IELTS und ESOL Test. Auch der amerikanische TOEFL Test wird von manchen Universitäten und Medizin-Fakultäten in Großbritannien anerkannt. Welche Ergebnisse erreicht werden müssen, hängt davon ab, welches Fach man studiert und ob es sich um ein Vollstudium oder einen Gastaufenthalt für wenige Semester handelt.

Zulassungsvoraussetzungen im Fachbereich Medizin

In Sachen Zulassungsbeschränkungen wird den Unis in England freie Hand gelassen. Zwar wird auch die Durchschnittsnote des Schulabschlusses berücksichtigt, jedoch spielen oft auch noch andere Qualifikationen, wie zum Beispiel Praktika im Gesundheitswesen oder Zivildienst im Krankenhaus, bei der Auswahl der Studenten eine Rolle. Somit schwanken von Uni zu Uni auch die Zulassungsbedingungen stark. Einen Aufnahmetest (den BMAT) gibt es nur in Oxford, Cambridge und dem University College London. Man sollte sich also immer direkt bei den Unis nach den dortigen Beschränkungen erkundigen und natürlich auch, welche weiteren Qualifikationen bei der Bewerbung anerkannt werden.

Die Möglichkeit, die Zulassungsbeschränkungen in Deutschland durch Aufnahme des Studiums in England zu umgehen, ist generell vorhanden. Aber gerade für Studienbeginner ist der Weg an eine englische Uni nicht unbedingt leichter als an eine deutsche. Es kann zwar von Vorteil sein, dass in England das gesamte Profil des Bewerbes berücksichtigt wird und nicht nur seine Durchschnittsnote; die Aufnahmebedingungen sind trotzdem streng. Außerdem kann es erforderlich sein, ein „Foundation Year“ zu absolvieren, um eventuell vorhandene Rückstände, beispielsweise in den Naturwissenschaften, aufzuholen. Das Foundation Year erleichtert oder ermöglicht auch die Anerkennung des gesamten Physikums in Deutschland.

Aufbau des Medizinstudiums in Großbritannien

Im Undergraduate Studium gibt es vier- bis sechsjährige Programme die zum Bachelor’s Degree (MB ChB) oder dem „BSc Honour Degree“ führen. Das normale fünfjährige Programm ist dem deutschen Medizinstudium am ähnlichsten und somit auch am ehesten mit dem deutschen Studium vergleichbar. Auch wenn nicht strikt zwischen Physikum und Klinikum unterschieden wird, fangen englische Studenten ebenfalls ab dem dritten Jahr an, klinische Erfahrungen zu sammeln.

Im Postgraduate Studium kann man zwischen verschiedenen Abschlüssen wählen. Von Universität zu Universität gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Es werden in der Regel Master Studiengänge für den „MSc by research“ und den „MSc by Advanced Studies and Research“ und den Master of Surgery (CHM) angeboten. Im Doktoranden Programm kann man zwischen dem Doctor of Philosophy (PhD), dem Doctor of Medicine (MD) und dem Doctor of Dental Surgery (DDS) wählen.

Am besten wechselt man nach dem ersten Staatsexamen, also im klinischen Teil seines Studiums, an eine englische Universität. In dieser Zeit kann man die Vorteile der britischen Medizinerausbildung am besten auskosten.

PJ & Famulatur

Eine Famulatur oder sogar das PJ in England zu absolvieren, ist ein guter Weg, um aus beiden Gesundheistssystemen das Beste rauszuholen, denn das britische Medizinstudium hat seine Stärken in der praktischen Ausbildung. Dazu gute Artikel von via-medi.

Bewerbung für Medizin in Großbritannien

Falls man ein volles undergraduate Studium beginnen möchte (Erstimmatrikulation), oder ein in Deutschland begonnenes Studium fortsetzen UND abschließen möchte, muss man sich über die UCAS an maximal vier Unis bewerben. Bewerbungsunterlagen online: https://www.ucas.com/

Für einen Gastaufenthalt von einem halben oder ganzem Jahr, sowie für ein postgraduate Studium, muss man sich direkt bei den Unis bewerben. Es gibt kein Standardformular für Bewerbungen, somit sollte man an der jeweiligen Uni nachfragen, welche Dokumente in welcher Form benötigt werden. Diese bieten meistens vorgefertigte Bewerbungsformulare an.

Die Vergabe von Studienplätzen ist in England nicht zentral geregelt. Die Unis entscheiden selbst, welchen Studenten sie einen Studienplatz zuteilen möchten. Es kommen ungefähr zwanzig Bewerber auf einen Studienplatz. Es ist nicht nur der Notendurchschnitt entscheidend, sondern auch ob man Engagement durch Praktika etc. zeigt. Außerdem wird man, gerade wenn man länger als für ein Semester bleiben möchte, zu einem Interview eingeladen, in dem z.B. die Kommunikationsfähigkeit und die persönliche Motivation getestet werden sollen.

Die Einschreibung ist nur einmal jährlich zum Fall Term möglich. Möchte man im September 2025 das Studium beginnen, muss man sich bis zum 15. Oktober 2024 beworben haben. Bis zu dieser Deadline wird garantiert, dass die Bewerbung berücksichtigt wird. Bewerbungen, die bis zum 30. Juni 2025 eingehen, werden unter Umständen auch noch bearbeitet, garantiert ist dies jedoch nicht.

Studiengebühren im Medizinstudium Großbritanniens

Die offizielle Studiengebühr für Studenten aus dem europäischen Ausland beträgt 1125 Pfund pro Jahr. Jedoch haben die Universitäten in Großbritannien viel Handlungsfreiraum und können somit auch über die Höhe der Studiengebühren selbst entscheiden.

Die Lebenshaltungskosten sind in England deutlich höher als in Deutschland. Besonders in London sind die Mietpreise extrem hoch. Trotz des Umrechnungsfaktors von 1,5, bekommt man für sein Pfund oft nicht mehr, als mit dem Euro in Deutschland.

Anerkennung eines Medizinstudiums in Großbritannien in Deutschland

Normalerweise ist es recht problemlos möglich, in England erbrachte Studienleistungen in Deutschland anerkennen zu lassen – genau das war ja das Ziel der europaweiten Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen von Bologna. Wichtig ist es natürlich, mit Uni und Landesprüfungsamt (LPA) im Voraus in Kontakt zu treten und mögliche Ziele zu besprechen. Bei längeren Aufenthalten sollte man jährlich mit LPA und Uni in Kontakt treten und seine Scheine vorlegen, sofern man vor hat, später wieder an eine deutsche Uni zu wechseln.

Bei Studienbeginnern, die ihr Physikum in England absolvieren wollen, kann es unter Umständen zu Problemen kommen, da die drei naturwissenschaftlichen Leistungen in Bio, Physik und Chemie nicht an jeder Uni zum Lehrplan gehören. Oft werden diese Fächer bereits in der Schule oder in einem speziellen Vorbereitungsjahr, dem Foundation Year, unterrichtet. Nur mit diesen drei Scheinen ist das britische Physikum äquivalent zum deutschen und wird vollständig anerkannt.

Das Ranking englischer Unis im Fachbereich Medizin

Quelle: TheGuardian 7/2019
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